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	<title>Meeresspiegelanstieg - Ernst Ulrich von Weizsäcker</title>
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		<title>Circular Economy, Cascade Use and Efficiency as Pillars of a Factor Five World</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 10:11:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Hier die Folien meines Vortrages zum Thema „Circular Economy, Cascade Use and Efficiency as Pillars of a Factor Five World“ auf der LCM 2011 – Towards Life Cycle Sustainability Management, 28.–31. August 2011, the dahlem cube, Berlin&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/circular-economy-cascade-use-and-efficiency-as-pillars-of-a-factor-five-world-2/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hier die Folien meines Vortrages zum Thema „Circular Economy, Cascade Use and Efficiency as Pillars of a Factor Five World“ auf der <a title="http://www.lcm2011.org/" href="http://www.lcm2011.org/" target="_blank">LCM 2011 – Towards Life Cycle Sustainability Management</a>, 28.–31. August 2011, the dahlem cube, Berlin</p>
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		<title>Alles verzockt? – Eine Zukunftsperspektive</title>
		<link>https://ernst.weizsaecker.de/alles-verzockt-eine-zukunftsperspektive/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2005 19:50:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Verzocken wir heute das Morgen? Das ist die Hauptfrage heute Nachmittag. Verzocken ist ein übles Wort. Wenn die Bild-Zeitung Politiker beschimpft, kommt regelmäßig das Wort Abzocken vor. Verzocken heißt verprassen. Es deutet an, wir leben in Saus und Braus.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/alles-verzockt-eine-zukunftsperspektive/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Deutscher Evangelischer Kirchentag Hannover, 27.5.2005</em><br />
<em> Kredite auf die Zukunft: Verzocken wir heute das Morgen?</em></p>
<p>Verzocken wir heute das Morgen? Das ist die Hauptfrage heute Nachmittag. Verzocken ist ein übles Wort. Wenn die Bild-Zeitung Politiker beschimpft, kommt regelmäßig das Wort Abzocken vor.</p>
<p>Verzocken heißt verprassen. Es deutet an, wir leben in Saus und Braus. Ich kenne fast keine Familie, die glaubt, in Saus und Braus zu leben. Daher werden die meisten im Land empört reagieren, wenn jemand sagt, sie würden die Zukunft verzocken. Ich sage also deutlich, dass mir der Titel „Alles verzockt“ nicht gefällt, auch wenn ein Fragezeichen dahinter ist.</p>
<p>Und doch muss man die dahinter liegende Frage ernst nehmen. Das hat Angelika Zahrnt deutlich gesagt.</p>
<p>Lassen Sie mich die ökologische Herausforderung noch einmal drastisch beleuchten:</p>
<p>Wir rotten täglich rund 50 Tier- oder Pflanzenarten aus. 80% der in Deutschland heimischen Schmetterlingsarten gelten als gefährdet. Das Klima ändert sich rasant. Schauen wir etwa nach Grönland. Dort hat sich in nur zehn Jahren die Fläche vervierfacht, wo im Sommer Schmelz- und Regenwasserseen sind. Diese Fläche ist jetzt schon doppelt so groß wie Deutschland. Wer kann voraussagen, wie lange das Grönlandeis noch mechanisch stabil bleibt? Und wenn das Eis auseinander bricht und der Meeresspiegel um 7 Meter steigt, wie sieht dann Holland aus? Oder die norddeutsche Tiefebene oder die Mündungsgebiete des Ganges, des Nil, des Mississippi? Mehr als eine Milliarde Menschen leben an den Küsten, und dort ist auch die Industrie- und Wirtschaftsdichte am größten.</p>
<p>Um die Artenvielfalt zu retten, müssen wir die Naturschutzgebiete erweitern und sichern. Damit das eine Chance hat, müssten wir den weltweiten jährlichen Rohstoff- und Naturverbrauch halbieren. Um gefährliche Klimaänderungen zu vermeiden, müssten wir den Ausstoß der Treibhausgase halbieren.</p>
<p>Halbierung des Naturverbrauchs, – ist das angesichts der Dynamik in China und Indien zu schaffen? Könnten wir in den Industrieländern radikal den Gürtel enger schnallen, damit entsprechend mehr für die Entwicklungsländer übrig bleibt? Nein, ich das ist völlig unrealistisch, und es wäre auch in höchstem Grade explosiv, also friedensgefährdend. Denn die Mächtigen würden alles daran setzen, dass die ohnehin Schwachen die Zeche bezahlen, das die sich einschränken müssen, die nicht in Saus und Braus leben.</p>
<p>Ja, aber was dann, wenn wir doch weltweit den Wohlstand mindestens verdoppeln müssen, damit die Entwicklungsländer einigermaßen zu unserem Wohlstandsniveau aufschließen können.</p>
<p>Verdoppelung des Wohlstands bei halbiertem Naturverbrauch: das ist der Kern der heutigen Herausforderung. Unseren Enkeln schulden wir die Halbierung des Naturverbrauchs, dem Frieden und den im Elend lebenden Menschen die Verdoppelung des Wohlstands.</p>
<p>Beim Naturverbrauch müssen wir <em>differenzieren zwischen Energie, festen Rohstoffen, Wasser und Landverbrauch</em>.</p>
<p>Beginnen wir mit der <em>Energie</em>. Bei der Vermeidung von Treibhausgasen kommt man ziemlich weit mit erneuerbaren Energien, mit effizienteren Kraftwerken und mit dem Abfangen und Unschädlichmachen der Gase. Manche hoffen weiter auf die <em>Atomenergie</em>, aber <em>darüber</em> will ich jetzt nicht streiten, das würde endlos.</p>
<p>Stattdessen will ich behaupten, dass es noch eine Option gibt, die noch wirtschaftlicher ist oder gemacht werden kann als Wind, Sonne und das Abfangen der Gase. Es ist die <em>Effizienzoption</em>.</p>
<p>Es ist technisch möglich, Autos so zu bauen, dass sie weniger als zwei Liter pro hundert brauchen. Und mit Park and Ride und Fahrrädern und gut vertakteten Bussen und Bahnen kann man viele Milliarden Autokilometer sparen. Häuser kann man so bauen, dass sie fast keine Heizenergie mehr brauchen. Sparglühbirnen sind 4 mal effizienter als die alten Birnen, und mit Leuchtdioden gibt’s noch mal eine Effizienzverdopplung. Aluminium aus Schrott braucht nur ein Zehntel des Stroms, den man für Aluminium aus Bauxit braucht. Und e-mails brauchen nicht ein Hundertstel der Energie der klassischen Post! Die <em>ganze Wirtschaft</em> lässt sich <em>mindestens viermal so energieeffizient</em> machen als heute. Dieser Faktor vier erlaubt eine Verdoppelung des Wohlstandes bei halbiertem Naturverbrauch.</p>
<p>Eine Kilowattstunde einzusparen ohne Wohlstandsverlust kostet vielleicht fünf Eurocent, eine Kilowattstunde aus Wind kostet vielleicht zehn Cent, und die Atomenergie aus neuen Meilern ist auch nicht billiger. Die Kosten des Abfangens von CO2 aus Kohlekraftwerken dürften <em>deren</em> Kilowattstunden eher <em>noch</em> teurer machen. Die Effizienzstrategie ist vermutlich einfach die wirtschaftlichste.</p>
<p>Noch erfreulicher wird die Strategie, wenn man sich folgendes klarmacht: Wenn eine Firma ihr Technologie-Geld dafür einsetzt, Kilowattstunden arbeitslos zu machen statt Menschen, nützt das der Beschäftigung. Wenn Energie teurer und Arbeit billiger wird, machen das auf einmal viele Firmen. Das war die Grundüberlegung der ökologischen Steuerreform. Ich räume aber ein, dass die Politik das nicht immer überzeugend gemacht und dargestellt hat.</p>
<p>Was für Energie gilt, ist auch auf <em>feste Rohstoffe</em>, und Wasser übertragbar. Metalle, Glas und Baustoffe lassen sich vorzüglich rezyklieren. Bei Holz, Papier und Kunststoffen ist es schwieriger, aber machbar; und zur Not gibt es auch die legitime Verbrennung. Manchmal ist Recycling die plumpe Antwort und „<em>Remanufacturing</em>“ die intelligente. Ausrangierte Autos oder Kühlschränke muss man nicht shreddern. Man kann die großen Metallteile weitgehend wiederverwenden und nur Modernisierungsteile, Verschleißteile und modische Details neu einbauen.</p>
<p><em>Wasser</em> kann durch Reinigung <em>vielfach verwendet</em> werden. Tröpfchenbewässerung ist rund dreimal so wassereffizient wie die klassische Bewässerung. Geruchlose, hygienische Trockenklos könnten viele Millionen Kubikmeter Wasser sparen.</p>
<p>Bei der <em>Landnutzung</em> muss man auf Fallstricke achten. Die Flächenintensivierung der Landwirtschaft – also steigende Hektarerträge – wird von der Agrochemie und der Grünen Gentechnik den Naturschützern immer auf dem Tablett serviert als angebliche Lösung des Naturschutzproblems. In Wirklichkeit bedeutet <em>diese</em> Intensivierung Probleme mit der Artenvielfalt, mit den Böden, dem Grundwasser und dem Energiebedarf. Die ökologische Landwirtschaft ist in all diesen Hinsichten viel besser, aber sie braucht meist etwas mehr Platz.</p>
<p>Im Siedlungsraum hingegen geht es vor allem um die Flächenversiegelung, und hier ist die Verdichtung und Nutzungsintensivierung genau das richtige Rezept. Dichte, strahlenförmige Siedlungsformen machen Busse und Bahnen rentabel und schonen die Fläche. Siedlungsbrei dagegen kostet Fläche und macht uns alle autoabhängig.</p>
<p>Bei der Landnutzung brauchen wir auch keine Halbierung des heutigen Bedarfs. Es genügt, wenn die weitere Expansion gebremst oder gestoppt wird, in Deutschland ein durchaus erreichbares Ziel. Vielleicht kann man die Gewerbesteuer teilweise durch eine Versiegelungssteuer ablösen. Das könnte der Amerikanisierung der Stadtränder Einhalt gebieten.</p>
<p>Meine Damen und Herren, die ökologische Modernisierung der Wirtschaft und unserer Lebensstile ist <em>nicht ein Rezept zur wirtschaftlichen Stagnation</em>. So sieht es bloß ein großer Teil der Wirtschaftseliten und Politiker in Deutschland und den USA. In Skandinavien und in Japan ist es umgekehrt. Dort sieht man, dass die Ökologisierung ein herrlicher <em>Wachstumsmotor</em> ist. Da gibt es also heute noch große kulturelle Unterschiede.</p>
<p>Ich bin aber überzeugt davon, dass die ganze Welt auf Dauer, und vielleicht schon in wenigen Jahren, dem skandinavisch-japanischen Weg folgt. Letztes Jahr haben wir eine Art Schock mit Öl- und Rohstoffpreisen erlebt. Daraufhin hatten in den USA plötzlich die Benzinschluckerautos eine Absatzflaute. Gleichzeitig hatte der japanische <em>Toyota Prius</em>, ein Hybridauto, das nur noch halb so viel Benzin braucht wie die amerikanischen Schlitten, einen riesigen Absatzerfolg.</p>
<p>Und in China setzte nach dem Preisschock ein drastisches Umdenken in Richtung Ressourceneffizienz ein. In vier Wochen habe ich die Ehre, beim jährlichen Entwicklungsforum in Peking den Hauptvortrag zum Thema Faktor Vier zu halten; mein Buch ist schon vor fünf Jahren ins chinesische übersetzt worden. Jetzt habe ich die Hoffnung, dass deutsche Firmen demnächst aus China hören, Energie- und Rohstoffeffizienz sei das neue Qualitätsmerkmal. Da hören sie dann besser zu, als wenn sie es von deutschen Umweltschützern hören.</p>
<p>Ich komme zum Schluss. Ich klage nicht an. Ich rede nicht vom Verzocken. Ich setze auf technischen und zivilisatorischen Fortschritt. Die Erhöhung der Ressourcenproduktivität wird zur Grundmelodie des Fortschritts. Für Ingenieure und für uns alle eine phantastische Aufgabe. Laden Sie bitte diese Aufgabe nicht einfach bei der Wirtschaft und dem Staat ab. Die Wirtschaft richtet sich nach dem Markt, und die Politik nach den Stimmungen der Wähler.</p>
<p>Wir alle sind es, als Verbraucherinnen und Verbraucher und als Wählerinnen und Wähler, die die Richtung des Fortschritts mitbestimmen. Es ist in unserer Hand, eine neue Erwartungshaltung zu entwickeln und zu äußern. Die Medien müssen diese transportieren. Dann machen auf einmal alle mit.</p>
<p>Konrad Lorenz, der große Verhaltensforscher hat einmal beschrieben, wie Dohlenschwärme Entscheidungen treffen. Der Schwarm sitzt auf einem Felsen oder einem Baum. Einige Dohlen krächzen „kiaa“, andere „kiau“. Das eine heißt dableiben, das andere wegfliegen. Wenn der Wegflieg-Ruf überhand nimmt, dann fliegt auf einmal der <em>ganze</em> Dohlenschwarm weg.</p>
<p>Ich kann die Gedanken meiner Enkel lesen. Sie wollen, dass wir den Aufbruch organisieren. Ich hoffe, dass dieser Kirchentag dazu beiträgt.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Plenarrede zum Klimaschutz</title>
		<link>https://ernst.weizsaecker.de/plenarrede-zum-klimaschutz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Sep 2004 21:05:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klima]]></category>
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					<description><![CDATA[In das Kioto-Protokoll sind flexible projektbezogene Mechanismen aufgenommen worden, damit die Entwicklungsländer schon in der Frühphase der Umsetzung des Protokolls beteiligt werden. Denn in dem Protokoll selbst werden nur von den Industrieländern Reduktionsverpflichtungen verlangt.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/plenarrede-zum-klimaschutz/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Auszug aus dem Plenarprotokoll 15/127, Deutscher Bundestag, Berlin, 24. September 2004</em></p>
<p><em>TOP 17 „Mehr Kosteneffizienz im Klimaschutz durch verstärkte Nutzung der projektbezogenen Kioto-Mechanismen“, Drucksachen 15/1690, 15/2803</em></p>
<p><strong>Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer: </strong></p>
<p>Das Wort hat jetzt der Abgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker.</p>
<p><strong>Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD): </strong></p>
<p>Frau Präsidentin! Meine verehrten Damen und Herren! In das Kioto-Protokoll sind flexible projektbezogene Mechanismen aufgenommen worden, damit die Entwicklungsländer schon in der Frühphase der Umsetzung des Protokolls beteiligt werden. Denn in dem Protokoll selbst werden nur von den Industrieländern Reduktionsverpflichtungen verlangt.</p>
<p>(Michael Müller [Düsseldorf] [SPD]: Richtig!)</p>
<p>Insofern haben die Oppositionsparteien zweifellos Recht damit, dass man die flexiblen Mechanismen auch nutzen soll; insoweit besteht überhaupt kein Widerspruch. Ich bin einerseits sehr froh darüber, dass man auf der europäischen Ebene ein Stück vorangekommen ist. Ich stimme andererseits Herrn Minister Trittin zu 100 Prozent zu, wenn er sagt, dass es aus Gründen eines politischen Anreizes eine zeitliche Präferenz für den Clean Development Mechanism gegenüber der Joint Implementation gibt. Das ist notwendig, damit wir den Russen, die den jetzt erforderlichen Schritt gemacht haben, nicht schon wieder in den Rücken fallen und den Bremsern, die es in Moskau weiterhin gibt, nicht Nahrung geben. Insofern ist der Prozess auf dem richtigen Weg.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</p>
<p>Ich will mich kurz mit der Aussage des Herrn Abgeordneten Göppel auseinander setzen, der den Vorsitzenden des <em>Nachhaltigkeitsrats</em>, Herrn Dr. Hauff, zitiert hat, der gesagt haben soll, das Kioto-Protokoll sei gar nicht mehr nütze. So habe ich Herrn Dr. Hauff nicht verstanden; auch ich war bei dieser Zusammenkunft anwesend. Er hat lediglich gesagt – da hat er natürlich Recht –, dass das Kioto-Protokoll klimapolitisch bei weitem nicht weit genug geht. Das liegt unter anderem daran, dass die Entwicklungsländer bei den CO2-Emissionen erhebliche Wachstumsraten zu verzeichnen haben und nicht Bestandteil des Kioto-Protokolls sind. Insofern ist es wieder richtig, dass wir das Kioto-Protokoll zwar so schnell wie möglich ratifiziert bekommen und in die Tat umsetzen, dabei aber wissen, dass das nicht das Ende der Fahnenstange sein kann.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordnetendes BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)</p>
<p>In diesem Zusammenhang gestatte ich mir, auf einen wissenschaftlichen Artikel hinzuweisen, der im März dieses Jahres im „Scientific American“ von einem Amerikaner namens James Hansen erschienen ist, der über den Art. 2 des Klimarahmenabkommens reflektiert und sich fragt: Was heißt das eigentlich, dass es keine schädliche Indifferenz des Menschen mit dem Klimageschehen geben darf? Er nimmt dann genau einen Parameter heraus – ich glaube, das macht er richtig –, der uns allen wirklich höchst bedrohlich erscheinen muss: den Meeresspiegel. Er sagt, dass nach all dem, was man aus geologischen Daten weiß, ein gefährlicher <em>Anstieg des Meeresspiegels</em> nur dann verhindert werden kann, wenn der Temperaturanstieg nicht über 1 Grad Celsius hinausgeht. Diese Toleranzgrenze ist wesentlich geringer als die, die man bisher angenommen hat. Wenn sich das zum Beispiel in Sankt Petersburg, das ebenfalls auf Meeresspiegelhöhe liegt, in Kalkutta, in Hamburg oder an anderen Stellen herumspricht,</p>
<p>(Horst Kubatschka [SPD]: Oder Florida!)</p>
<p>dann wird völlig klar, dass wir über das Kioto-Protokoll weit hinausgehen müssen. Dann wird das Land, das die Abkoppelung der Wirtschaftskraft von CO2-Emissionen am elegantesten und effizientesten vorgeführt hat, den Wettbewerbsvorteil haben. Deswegen ist es so wichtig, dass wir Deutsche uns aus dieser klimapolitischen Diskussion nicht durch eine Wegnahme dieser Obergrenze davonstehlen. Die Obergrenze ist ja sehr sinnvoll für ein Land, das die Kioto-Verpflichtungen schon erreicht hat, ohne auf die flexiblen Mechanismen zurückgegriffen zu haben. Wenn wir jetzt auch noch die Obergrenze wegnehmen, dann ist der Anreiz für die deutsche Industrie, wie Herr Kelber richtig gesagt hat, faktisch null, sich auf diesen fortschrittsträchtigen Weg zu begeben.</p>
<p>(Dr. Rolf Bietmann [CDU/CSU]: Die Obergrenzen sind in der europäischen Richtlinie nicht mehr drin!)</p>
<p>Wir sind uns einig, Herr Bietmann, dass wir die flexiblen Mechanismen nutzen wollen. Wir sollten versuchen, in dieser Sache keinen unnötigen Parteienstreit anzufangen. Wir müssen auch bei uns im Land den Anreiz dafür groß genug machen, dass man sich auf die nötigen klimafreundlichen Innovationen einlässt. Im Bereich der erneuerbaren Energien ist ja bereits der Beweis geführt worden, dass die Zahl der Arbeitsplätze, an denen für den heimischen Markt und für den Export produziert wird, durch den Ausbau dieser zukunftsträchtigen Energieformen erheblich vergrößert werden konnte. China hat ja anlässlich der Bonner Konferenz erklärt, man wolle auf jeden Fall eine gewaltige Ausweitung auf – ich glaube – 17 Prozent bei den erneuerbaren Energien haben.</p>
<p>(Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 19 Prozent!)</p>
<p>Ferner hat man erklärt, dass Deutschland für sie in dieser Frage der Technologiepartner ist. Darauf können wir stolz sein. Im Bereich der Energieeffizienz sind wir noch nicht ganz so weit; wir sind jedenfalls nicht an der Weltspitze. Bei der gleichen Veranstaltung, Herr Göppel, hat Frau Dr. Merkel mit Recht auf das riesige Potenzial an Einsparungen im Bereich der <em>Gebäudesanierung</em> hingewiesen. Da muss bei uns im Lande einiges gemacht werden; auf diese Beschäftigungsmöglichkeiten zugunsten des Klimaschutzes warten auch Tausende von Handwerksbetrieben. Das wird Deutschland voranbringen und sicherlich nicht zurückwerfen.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten derCDU/CSU)</p>
<p>Um der Beschäftigung willen, um der Pionierrolle willen und um des langfristigen Klimaschutzes willen haben wir also allen Anlass, die im Kioto-Protokoll vorgesehenen flexiblen Mechanismen zu nutzen, aber auch darüber hinauszugehen und bei uns wesentlich mehr zu erreichen als nur die Verminderung um 19 Prozent gegenüber dem Jahr 1990. Darüber sollte es keinen Parteienstreit geben.</p>
<p>Vielen Dank.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Josef Göppel [CDU/CSU])</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Faktor Vier – Neuausrichtung des technischen Fortschritts</title>
		<link>https://ernst.weizsaecker.de/faktor-vier-neuausrichtung-des-technischen-forschritts/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Aug 2004 17:31:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vor zwei Monaten hat der in Hamburg erscheinende Stern eine gute Titelgeschichte gebracht: Deutschland deine Stärken. Einige Spitzenmanager erzählten, warum für sie Deutschland ein exzellenter Standort ist. Und in 7 von 14 Kategorien der Standortqualität war Deutschland an der Spitze, in drei weiteren an zweiter Stelle von zehn europäischen einschließlich osteuropäischen Ländern.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/faktor-vier-neuausrichtung-des-technischen-forschritts/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Die Herausforderung</h2>
<p>Vor zwei Monaten hat der in Hamburg erscheinende Stern eine gute Titelgeschichte gebracht: <em>Deutschland deine Stärken</em>. Einige Spitzenmanager erzählten, warum für sie Deutschland ein exzellenter Standort ist. Und in 7 von 14 Kategorien der Standortqualität war Deutschland an der Spitze, in drei weiteren an zweiter Stelle von zehn europäischen einschließlich osteuropäischen Ländern.</p>
<p>Das ist die richtige Musik für einen Vortragsabend wie heute. Aber die Kriterien beim Stern waren doch noch sehr konventionell. Da ist zunächst einmal nichts dagegen zu sagen. Schließlich ist die ganze Wirtschaftsdiskussion bei uns im Lande sehr konventionell. Ich fürchte aber, ich muss Ihnen heute zumuten, sich mit einer Welt vertraut zu machen, in welcher konventionelle Ansätze und Kriterien nicht mehr ausreichen, damit unser schönes Deutschland an der Spitze bleibt. Wir werden, da bin ich mir sicher, um eine ziemlich radikale Neuausrichtung des technischen Fortschritts nicht herum kommen. Teilweise ist sie schon in Gang, aber teilweise ist sie noch nicht einmal bekannt. Und über all dem dürfen wir unseren Optimismus nicht verlieren.</p>
<p>Der Grund für diesen radikalen Wechsel ist die Begrenztheit der Erde, ihrer Rohstoffe und ihrer Umwelt. Die seit einem knappen Jahr zu beobachtende, vom chinesischen Markt ausgehende Ressourcenknappheit ist vielleicht ein Vorbote dessen, was auf uns zukommt. Aber diese heutige Knappheit wird noch einmal durch das vermehrte Auf-den-Markt-Werfen von Rohstoffen aus Sibirien, Südamerika, Afrika überwunden werden.</p>
<p>Ich rede heute über eine neue Dimension des Umweltschutzes. Der <em>klassische</em> Umweltschutz bestand im wesentlichen aus der Verminderung von Schadstoffen in Luft, Wasser und Böden. Bei diesen Techniken sind wir Deutschen Weltmeister. Der Bundesarbeitskreis umweltbewusstes Management (BAUM) mit seiner Zentrale hier in Hamburg hat hierbei eine segensreiche, entscheidende Rolle gespielt, insbesondere bei der Bewusstseinsbildung und Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen. Für Exporte in die dicht besiedelten und rasch wachsenden asiatischen Länder ist die deutsche Schadstofftechnologie immer noch hoch aktuell. Aber technisch ist sie nicht mehr neu.</p>
<p>Für den klassischen Umweltschutz gibt es ein optimistisch stimmendes Bild, die „umgekehrte U-Kurve“ (Abb. 1). Die typische Entwicklung von Ländern geht so, dass sie arm und sauber anfangen, dann die Industrialisierung erleben und dabei reich werden, aber hohe Verschmutzung erleben. Dann werden sie so reich, dass sie sich den teuren Umweltschutz leisten können, und dann sind sie reich und sauber!</p>
<div id="attachment_2647" style="width: 388px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2647" class="size-full wp-image-2647" alt="Abb. 1: Die umgekehrte U-Kurve, das Erfolgsmodell des klassischen Umweltschutzes" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-inverted-u-curve.png" width="378" height="283" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-inverted-u-curve.png 378w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-inverted-u-curve-300x224.png 300w" sizes="(max-width: 378px) 100vw, 378px" /><p id="caption-attachment-2647" class="wp-caption-text">Abb. 1: Die umgekehrte U-Kurve, das Erfolgsmodell des klassischen Umweltschutzes.</p></div>
<p>Das ist jetzt schon Vergangenheit. In der Zukunft liegt die große technologische Herausforderung nicht mehr bei den Mikrogrammen von Schadstoffen, sondern bei den Megatonnen von an sich nicht sonderlich gefährlichen Stoffen wie etwa dem Kohlendioxid, dessen Konzentration sich durch unser aller Ausatmen während der Viertelstunde seit Beginn dieser Veranstaltung hier im Raum schon stärker vergrößert hat als in zwei Jahrhunderten Industrialisierung auf der Erde. Trotzdem ist noch niemand ohnmächtig geworden. Das Gas ist also eigentlich harmlos und natürlich. Nur verändert es eben die Strahlungsbilanz unseres Planeten und verändert damit das Klima. Prof. Hartmut Graßl und andere Klimaforscher am Max-Planck-Institut für Meteorologie hier in Hamburg gehören zur absoluten Weltspitze. Sie waren unter den ersten, die mit modernsten Großrechnern das Weltklima einigermaßen modellieren konnten. Ihnen verdanken wir viele Einsichten, die das Intergovern­mental Panel on Climate Change (IPCC) vor ein paar Jahren publiziert hat.</p>
<p>Das zweite Bild stammt aus diesem Bericht und gibt die Projektion der Klimaentwicklung in unserem Jahrhundert an.</p>
<div id="attachment_2648" style="width: 388px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2648" class="size-full wp-image-2648" alt="Abb. 2: Die Temperaturen könnten sich im 21. Jahrhundert um bis zu 5°C erhöhen (IPCC, 2001)" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-human-influence-on-atmosphere-and-climate.png" width="378" height="283" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-human-influence-on-atmosphere-and-climate.png 378w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-human-influence-on-atmosphere-and-climate-300x224.png 300w" sizes="(max-width: 378px) 100vw, 378px" /><p id="caption-attachment-2648" class="wp-caption-text">Abb. 2: Die Temperaturen könnten sich im 21. Jahrhundert um bis zu 5°C erhöhen (IPCC, 2001).</p></div>
<p>Die Projektion basiert letztlich auf der seit 20 Jahren bekannten Korrelation zwischen CO2 und Temperaturen auf der Erde, die man aus der chemischen Analyse von antarktischen Eisbohrkernen rekonstruiert hat (Abb.3)</p>
<div id="attachment_2649" style="width: 388px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2649" class="size-full wp-image-2649 " alt="Abb. 3: Korrelation zwischen CO2 und Temperatur in den letzten 160000 Jahren (nach Lorius et al, 1984)" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-correlation-of-co2-and-temperature-variation.png" width="378" height="283" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-correlation-of-co2-and-temperature-variation.png 378w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-correlation-of-co2-and-temperature-variation-300x224.png 300w" sizes="auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px" /><p id="caption-attachment-2649" class="wp-caption-text">Abb. 3: Korrelation zwischen CO2 und Temperatur in den letzten 160000 Jahren (nach Lorius et al, 1984).</p></div>
<p>Besorgniserregend ist vor allem für Küstenstädte ein dritter Parameter, nämlich der Meeresspiegel. Dieser läuft verständlicherweise der Temperatur etwas hinterher (Abb.4)</p>
<div id="attachment_2650" style="width: 664px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2650" class="size-full wp-image-2650" alt="Abb. 4: Auch der Meeresspiegel verändert sich mit der Temperatur (nach Tooley, 1991)" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-meeresspiegel-aendert-sich-mit-co2-gehalt.png" width="654" height="500" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-meeresspiegel-aendert-sich-mit-co2-gehalt.png 654w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-meeresspiegel-aendert-sich-mit-co2-gehalt-300x229.png 300w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-meeresspiegel-aendert-sich-mit-co2-gehalt-624x477.png 624w" sizes="auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px" /><p id="caption-attachment-2650" class="wp-caption-text">Abb. 4: Auch der Meeresspiegel verändert sich mit der Temperatur (nach Tooley, 1991).</p></div>
<p>Der Unterschied zwischen hoch und tief ist immerhin mehr als 100 Meter! Das bedeutet große geographische Unterschiede für die Küstenlinie, wie man am nächsten Bild sehen kann.</p>
<div id="attachment_2652" style="width: 388px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2652" class="size-full wp-image-2652" alt="Abb. 5: Die italienische Küstenlinie während der letzten Eiszeit und während einer Heißzeit vor 2 Millionen Jahren, - wobei auch geologische Unterschiede eine Rolle spielten (nach Atlante Geografico Moderno, 1985)" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-italy-changing-coast-line.png" width="378" height="283" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-italy-changing-coast-line.png 378w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-italy-changing-coast-line-300x224.png 300w" sizes="auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px" /><p id="caption-attachment-2652" class="wp-caption-text">Abb. 5: Die italienische Küstenlinie während der letzten Eiszeit und während einer Heißzeit vor 2 Millionen Jahren, &#8211; wobei auch geologische Unterschiede eine Rolle spielten (nach Atlante Geografico Moderno, 1985).</p></div>
<p>Und der Übergang zu einem höheren Meeresspiegel kann plötzlich kommen, wie das vor 7800 Jahren einmal geschehen ist. Damals ist die mehrere tausend Meter dicke Eisschicht über Labrador und der Hudson-Bay in kürzester Zeit ins Meer gerutscht, vermutlich durch einen mechanischen Abbruch (Abb.6)</p>
<div id="attachment_2653" style="width: 370px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2653" class="size-full wp-image-2653" alt="Meeresspiegel stieg um etwa 7 Meter an (umgezeichnet nach Tooley, 1991)." src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-flood-can-arrive-suddenly.png" width="360" height="302" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-flood-can-arrive-suddenly.png 360w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-the-flood-can-arrive-suddenly-300x251.png 300w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /><p id="caption-attachment-2653" class="wp-caption-text">Meeresspiegel stieg um etwa 7 Meter an (umgezeichnet nach Tooley, 1991).</p></div>
<p>Niemand kann heute sagen, wie weit Grönland und die Antarktis unter den Bedingungen der globalen Erwärmung mechanisch stabil bleiben. Beunruhigend ist jedenfalls, dass die globale Erwärmung in den Polargebieten stärker ausgeprägt ist als in tropischen Breiten. Es wäre jedenfalls vernünftig, eine Politik einzuschlagen, die solche Großkatastrophen wesentlich unwahrscheinlicher macht. <em>Das ist vielleicht die größte Herausforderung, der wir heute gegenüber stehen</em>.</p>
<p>Wir wollen uns heute Abend Gedanken darüber machen, was zu geschehen hätte für eine Politik der Gefahrenabwehr und was die Technologie zu ihr beitragen kann.</p>
<p>Vernünftigerweise sollte man natürlich die CO2-<em>Konzentrationen</em> auf dem heutigen Niveau, noch besser auf dem Niveau von 1970 oder noch früher stabilisieren. Um dies zu erreichen, müssten wir, wiederum nach Angaben des IPCC, mehr als eine Halbierung der CO2-<em>Emissionen</em> weltweit erreichen. Und das während China, Indien und andere Staaten eine rasante Industrialisierung durchmachen.</p>
<div id="attachment_2655" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2655" class="size-full wp-image-2655" alt="Abb. 7: Wir müssten die CO2-Emissionen halbieren, aber wahrscheinlicher ist eine Verdoppelung!" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-co2-emissionen-heute-und-in-50-jahren.png" width="600" height="448" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-co2-emissionen-heute-und-in-50-jahren.png 600w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-co2-emissionen-heute-und-in-50-jahren-300x224.png 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><p id="caption-attachment-2655" class="wp-caption-text">Abb. 7: Wir müssten die CO2-Emissionen halbieren, aber wahrscheinlicher ist eine Verdoppelung!</p></div>
<p>Im Jahre 2030 werden vielleicht acht Milliarden Menschen leben. Davon werden, wenn politisch alles gut geht, gut zwei Milliarden in einem Wohlstand leben, der dem der heutigen Industrieländern entspricht. Hierfür würden gut doppelt so viele Dienstleistungen anzubieten sein wie heute.</p>
<h2>Faktor Vier</h2>
<p>Dies und die Halbierung der CO2-Emissionen sollten nun also <em>gleichzeitig</em> geschafft werden. Bei aller Liebe zur Sonnenenergie und den Windmühlen hier in Norddeutschland, – dieses außerordentlich ehrgeizige Ziel ist damit nicht zu erreichen. Auch der Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomenergie, über den zur Zeit so viel geredet wird, löst das Problem nicht, allein schon quantitativ. Und wir würden uns erhebliche politische Risiken einhandeln, wenn jetzt Atommeiler dort gebaut werden, wo der Energiebedarf so rasant wächst.</p>
<p>Nein, wir brauchen nichts weniger als eine Neuausrichtung des technischen Fortschritts. Schließlich geht es auch nicht nur um das CO2, sondern auch um andere Megatonnen, etwa von Erdreich, die mit grausigen Schleif­spuren in der Umwelt ausgegraben, verschifft und irgendwie verarbeitet werden.</p>
<p>Wir müssen lernen, mit den Schätzen der Natur, mit Wasser, Energie, Land und Rohstoffen <em>entscheidend</em> eleganter und effizienter umzugehen. In einem Buch [2], das 1995 als Bericht an den Club of Rome erschienen ist, stellen wir Autoren die Forderung auf, bei der Ressourcennutzung wenigstens um einen Faktor vier effizienter zu werden. Das ist offensichtlich nur gerade ausreichend, um den Wohlstand zu verdoppeln und gleichzeitig den Naturverbrauch zu halbieren.</p>
<div id="attachment_2768" style="width: 390px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2768" class="size-full wp-image-2768 " alt="Abb. 8: „Faktor Vier“ ist in zwölf Sprachen einschließlich chinesisch erschienen." src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/photo-covers-faktor-vier-factor-four.jpg" width="380" height="307" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/photo-covers-faktor-vier-factor-four.jpg 380w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/photo-covers-faktor-vier-factor-four-300x242.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px" /><p id="caption-attachment-2768" class="wp-caption-text">Abb. 8: „Faktor Vier“ ist in zwölf Sprachen einschließlich chinesisch erschienen.</p></div>
<p>In „Faktor Vier“ haben wir fünfzig Beispiele dafür zusammengetragen, wie es findigen Ingenieuren und Praktikern gelungen ist – oder gelingen kann –, den magischen Faktor Vier zu erreichen, und wie es möglich ist, ihn mit den Mitteln heutiger Technik zu verwirklichen.</p>
<p>Bevor ich auf Einzelbeispiele eingehe, erlaube ich mir, eine Analogie zu ziehen. In 150 Jahren industrieller Revolution hat es die Menschheit gelernt, aus einer Stunde menschlicher Arbeit rund zwanzig mal so viel Wohlstand heraus zu zaubern. Das ist die Steigerung der Arbeitsproduktivität, auf der unser heutiger Wohlstand basiert. Die neue Aufgabe heißt einfach, ein Gleiches mit der Steigerung der Ressourcenproduktivität zu schaffen. Und als Zwischenetappe reden wir erst einmal von einem Faktor vier. Denn der ist im wesentlichen mit heute bereits verfügbarer Technik erreichbar.</p>
<h2>Hyperauto</h2>
<p>Ein erstes Beispiel ist das „Hyperauto“. Mein leicht exzentrischer und manchmal auch übertreibender Koautor Amory Lovins sowie andere kreative Ingenieure haben ein Auto konzipiert, das nur noch etwa 2 Liter pro hundert verbraucht. Möglich ist das durch eine ganz neue Leichtbauweise und einen sogenannten Hybridmotor oder auch eine Brennstoffzelle. Das Hyperauto ist tatsächlich etwa viermal so effizient wie der heutige Flottendurchschnitt.</p>
<div id="attachment_2657" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2657" class="size-full wp-image-2657" alt="Abb. 9: Hypercar soll nur noch 2 Liter pro hundert verbrauchen" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-hypercar-energieeffizienz-materialeffizienz.jpg" width="500" height="375" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-hypercar-energieeffizienz-materialeffizienz.jpg 500w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-hypercar-energieeffizienz-materialeffizienz-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-2657" class="wp-caption-text">Abb. 9: Hypercar soll nur noch 2 Liter pro hundert verbrauchen.</p></div>
<p>Aber Hypercar hat noch nicht das Stadium von Prototypen verlassen. Kein Unternehmen hat sich bislang entschieden, das Hyperauto in Serie zu produzieren.</p>
<p>Die Hoffnung, dass Hypercar wirklich die kommt und die Flotte verändert, wird sich nach meiner Einschätzung erst dann erfüllen, wenn in China oder Indien die Motorisierung richtig losgeht. Dann könnte es für diese Länder schon aus Gründen der Ölimporte, der Außenhandelsbilanz nötig werden, das Hyperauto als Antwort einzuführen. Und wenn diese aufsteigenden Länder eine effiziente Flotte haben, dann werden die alten nicht umhin kommen, sich ihnen anzupassen.</p>
<h2>Öko-effiziente Häuser</h2>
<p>Quantitativ fast noch wichtiger für die Öko-Effizienz ist das Wohnen. Amory Lovins arbeitet und lebt teilweise in dem von ihnen selbst entwor­fenen Gebäude des „Rocky Mountain Institute“. Hoch oben in Eis und Schnee, wo nur 50 Tage im Jahr frostfrei bleiben, hat er sich eine Energiespar-Oase geschaffen, in der selbst ein Mini-Tropenwald mit eigener Bananenzucht nicht fehlt.</p>
<div id="attachment_2658" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2658" class="size-full wp-image-2658" alt="Abb. 10: Hoch oben im Gebirge liegt das Rocky Mountain Institute, - ein Nullenergiehaus" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-rocky-mountain-institute-no-energy-costs.jpg" width="500" height="390" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-rocky-mountain-institute-no-energy-costs.jpg 500w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-rocky-mountain-institute-no-energy-costs-300x234.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-2658" class="wp-caption-text">Abb. 10: Hoch oben im Gebirge liegt das Rocky Mountain Institute – ein Nullenergiehaus.</p></div>
<p>Während in solchen Regionen andere Gebäude mit hohen Strom- und Heizölrechnungen zu kämpfen haben, ist das „Rocky Mountain Institute“ – allerdings mit der Biomasse aus dem Garten – ein Netto-Energieerzeuger.</p>
<p>Das Heizen übernehmen zum Teil die Körper der rund zwanzig Mitarbeiter des Instituts. Sie sind alle etwa 37 Grad warm. Natürlich gibt es eine Wärmerückgewinnung, bei der die ausströmende verbrauchte Warmluft die hereinziehende kalte Frischluft aufwärmt. Erst wenn draußen richtig grimmige Kälte herrscht, werden zwei alte Kanonenöfen aktiviert, in denen dann Holz aus dem eigenen Garten verheizt wird.</p>
<p>Ähnliche Häuser sind inzwischen auch in Deutschland gebaut geworden; unter anderem in Darmstadt, Wuppertal und Hannover. Architekten nennen sie „Passivhäuser“. Sie sind erstklassig isoliert, haben Wärmerückgewinnung und nutzen den Glashauseffekt, durch den Sonnenenergie „passiv“ in Wärme verwandelt wird. Die teure, platzverbrauchende Zentralheizung mit Radiatoren in allen Zimmern entfällt. Ein Faktor zehn an Heizenergie wird eingespart.</p>
<div id="attachment_2659" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2659" class="size-full wp-image-2659" alt="Abb. 11: Das Passivhaus braucht nur noch ein Zehntel des sonst üblichen Heizöls" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-passivhaeuser-sparen-heizkosten.jpg" width="500" height="375" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-passivhaeuser-sparen-heizkosten.jpg 500w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-passivhaeuser-sparen-heizkosten-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-2659" class="wp-caption-text">Abb. 11: Das Passivhaus braucht nur noch ein Zehntel des sonst üblichen Heizöls.</p></div>
<p>Im Prinzip ist die Passivhaustechnologie schon heute konkurrenzfähig. In den letzten Jahren haben Ingenieure und Architekten wie Wolfgang Feist und Folkmer Rasch, beide aus Darmstadt, kostengünstige Verfahren zur Vorferti­gung von Bauteilen entwickelt, und so ist man beim Kostenniveau des sozialen Wohnungsbaus angelangt. Die neueste Entwicklung ist die Altbausanierung mit Passivhausstandard. Hier wird wenigstens ein Faktor vier erreicht.</p>
<p>Die Beispiele aus „Faktor Vier“ betreffen auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Jeder kennt inzwischen die Sparbirne. Mit ihr kann man die Stromrechnung senken – und die „eingesparte Kilowattstunde“ kostet im Schnitt nur etwa drei Eurocent!</p>
<div id="attachment_2660" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2660" class="size-full wp-image-2660" alt="Abb. 12: Die Sparglühbirne schafft einen Faktor vier beim Stromsparen" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-energiesparlampen-energieeffizienz.jpg" width="500" height="375" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-energiesparlampen-energieeffizienz.jpg 500w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-energiesparlampen-energieeffizienz-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-2660" class="wp-caption-text">Abb. 12: Die Sparglühbirne schafft einen Faktor vier beim Stromsparen.</p></div>
<p>Inzwischen ist die Sparglühbirne technisch von der Leuchtdiode überholt worden, die noch einmal einen Faktor Zwei drauflegt, allerdings noch teuer ist.</p>
<h2>Haushaltsgeräte und Industrie</h2>
<p>Auch beim Kochen, Kühlen, Waschen und anderen Haushaltsfunktionen ist der Faktor Vier in greifbarer Nähe, z.B. bei Kühlschränken (Abb. 13)</p>
<div id="attachment_2662" style="width: 388px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2662" class="size-full wp-image-2662 " alt="Abb. 13: Uschi Tischners Kühlkammer „FRIA“ ist viermal so ressourceneffizient wie der klassische Kühlschrank" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-fria-kuehlkammer-energieeffizienz-materialeffizienz.jpg" width="378" height="283" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-fria-kuehlkammer-energieeffizienz-materialeffizienz.jpg 378w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-fria-kuehlkammer-energieeffizienz-materialeffizienz-300x224.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px" /><p id="caption-attachment-2662" class="wp-caption-text">Abb. 13: Uschi Tischners Kühlkammer „FRIA“ ist viermal so ressourceneffizient wie der klassische Kühlschrank.</p></div>
<p><span style="line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;">Der Faktor Vier kommt auch bei der Industrie zur Geltung. Ein Siemensmanager sagte mir einmal, dass man im Konzern den Faktor Vier als Leitbild betrachtet, besonders mit Blick auf die asiatischen Märkte. Auch bei Metallen lässt sich einiges herausholen. Rezykliertes Aluminium braucht ein Zwanzigstel des Stroms im Vergleich zu Aluminium aus Bauxit.</span></p>
<p>In Japan, das gerade nach langer Stagnation einen erfreulichen Wirtschaftsaufschwung erlebt, wird derzeit als logische Verlängerung des Total Quality Management die „Total Resource Productivity“ als neues Qualitätsziel entwickelt. Keine Tonne Metall oder Kunststoff, die in die Produktion geht, soll jemals auf dem Abfall (oder in der Müllverbrennung) landen. Das wird von den industriellen Pionieren und beim METI als Kosten- und Marketingfrage, nicht als Umweltfrage behandelt. Wie soll man auch in Japan oder in Singapur oder Taiwan einen Kühlschrank ohne 100%ige Rücknahmegarantie verkaufen? Und was ist die beste Rohstoffbasis für einen neuen Kühlschrank? Wer diese Fragen ernsthaft stellt, kommt fast zwangsläufig zur Total Resource Productivity und zum „Remanufacturing“. Remanufacturing ist natürlich technisch viel anspruchsvoller und ökologisch viel wirksamer als das bloße Recycling.</p>
<p>Man kommt dann auf ganz andere Designideen und braucht eine neue Rückhollogistik. Es ist also eine <em>System</em>innovation, nicht nur eine Produktinnovation. Selbst bestimmte Chemikalien kann man vermieten statt verkaufen. Nach Nutzung z.B. als Metallreinigungsmittel kommen sie dann fast hundertprozentig zurück. Auch dies ist eines der 50 Beispiele aus „Faktor Vier“. Die nächste Stufe könnte das Metall-Leasing sein. Bei Aluminium oder Kupfer oder industriellen Edelmetallen ist das technisch durchaus vorstellbar. Es kommt alles darauf an, ob es sich betriebswirtschaftlich lohnt, und <em>das</em> hängt von den Randbedingungen ab.</p>
<p>Das Duale System, der Grüne Punkt, auf den wir hier so stolz sind, verblasst gegenüber solchen Perspektiven einer konsequenten ökologischen high tech-Materialwirtschaft.</p>
<h2>Nur für die reichen Länder? Im Gegenteil!</h2>
<p>Oft hört man in ökologischen Diskussionen, ehrgeiziger Umweltschutz eigne sich nur für die reichen Länder. Man erinnert dann gern an die genannte umgekehrte U-Kurve. In Wirklichkeit ist es bei den Faktor-Vier-Technologien eher umgekehrt. Die reichen Länder, allen voran die USA, können sich den Verschwen­dungswohlstand wirtschaftlich allenfalls noch leisten. Bis die öko­logischen Grenzen eines Tages Knappheitssignale aussenden, – aber das kann noch etwas dauern. Und es entspricht der US-Mentalität, erst mal abzuwarten, und wenn das Problem tatsächlich auftaucht, es erst mal mit Geld zu erschlagen.</p>
<p>Ganz anders in den Entwicklungsländern. So wie die Massenmotorisie­rung eigentlich nur mit dem Hyperauto oder einem anderen äußerst effizienten Auto gelingen kann, ist es in praktisch allen anderen Lebensbereichen, wo Energie und Rohstoffe verbraucht werden. Die Chinesen selber sind derzeit am nervösesten, dass sie die Weltrohstoffmärkte leerfegen müssen, um ihre rasend wachsende Industrie zu versorgen. Und nervös sind die anderen Entwicklungs­länder wie Indien und Bangladesh, weil dort die Rohstoffkosten horrend zu Buche schlagen, ganz anders als bei uns!</p>
<p>Mit die größten Energiefresser in Entwicklungsländern sind die Klimaanlagen. Sie werden heute meist mit einem äußerst verschwenderischen US-amerikanischen Standard gebaut. In unserem Buch berichten wir über einen Ingenieur aus Singapur, Herrn Lee Eng Lock, der demgegenüber eine Stromeinsparung von einem Faktor vier erreicht hat. Wenn sich seine Technik bei Neu- und Altbauten in den heißen Ländern durchsetzt, könnte man Dutzende von vorhandenen oder geplanten Kohlekraftwerken oder große Staudämme einfach einsparen!</p>
<p>In China hat die Sparglühbirne Einzug gehalten. Hier findet man heute die größten Massenfertigungen der Welt. Zu Recht. Ähnlich sollte es mit sämtlichen Effizienz-Weißwaren gehen. Das Buch Faktor Vier hat offenbar bei den chinesischen Lesern offene Türen eingerannt. Ich konnte kürzlich mit dem neuen Außenwirtschaftsminister Bo Xi Lai darüber sprechen. Er setzt sich dafür ein, dass bald eine Neuauflage mit mehr ausdrücklichem Bezug zu China auf den Markt kommt.</p>
<p>Viele Effizienztechnologien müssen aber aus psychologischen Gründen erst einmal bei uns eingeführt werden, bevor die Entwicklungs­länder das Zutrauen haben, dass die Technologie, die wir ihnen anbieten wollen, auch wirklich Sinn macht. Das Problem kennen wir vom Transrapid her.</p>
<h2>Verkehr</h2>
<p>Der Transrapid ist übrigens bei Geschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern dem ICE energetisch etwa um einen Faktor vier überlegen. Er ziert das Deckblatt der chinesischen Ausgabe. Generell kann die Ökoeffizienz auch bei Transporten um einen beträchtlichen Faktor gesteigert werden. Dabei geht es zum Teil auch um schlichte Verkehrsvermeidung, etwa bei Videokonferenzen anstelle von Geschäftsreisen (Abb. 14)</p>
<div id="attachment_2663" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2663" class="size-full wp-image-2663" alt="Abb. 14: Videokonferenzen werden in den Weltkonzernen regelmäßig eingesetzt und sparen Millionen Tonnen von Treibhausgase, – und Dollar!" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-videokonferenzen-ersetzen-geschaeftsreisen.jpg" width="500" height="343" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-videokonferenzen-ersetzen-geschaeftsreisen.jpg 500w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-videokonferenzen-ersetzen-geschaeftsreisen-300x205.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-2663" class="wp-caption-text">Abb. 14: Videokonferenzen werden in den Weltkonzernen regelmäßig eingesetzt und sparen Millionen Tonnen von Treibhausgase – und Dollar!</p></div>
<p>Die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Pkws kann ebenfalls stark verbessert werden. In den Niederlanden lädt ein landesweites Tarif- und Fahrkartensystem des ÖPNV die Menschen zum Umsteigen vom Auto ein. In der brasilianischen Stadt Curitiba gibt es ein vorbildliches Bussystem, das ebenfalls für viele Familien sinnvoller und kosteneffizienter ist als jedes Privatauto.</p>
<p>Beim LKW-Verkehr steckt das Effizienzpotential ganz woanders. Hier geht es darum, den Trend der letzten zwanzig Jahre umzukehren, der insbesondere in einer falsch verstandenen „just-in-time“-Logistik bestand. Die Transportintensität heutiger Herstellungsprozesse hat absurde Dimensionen erlangt, wie die Untersuchung von Stefanie Böge [3] zur Transportintensität von Erdbeerjoghurt oder anderen Molkerei-Produkten dokumentiert.</p>
<div id="attachment_2664" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2664" class="size-full wp-image-2664" alt="Abb. 15: Bis der Erdbeerjoghurt auf dem Tisch steht, fahren Lastwagen 3000 Kilometer. Ein Zehntel würde reichen!" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-erdbeerjoghurt-transport-intensität.jpg" width="500" height="375" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-erdbeerjoghurt-transport-intensität.jpg 500w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-erdbeerjoghurt-transport-intensität-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-2664" class="wp-caption-text">Abb. 15: Bis der Erdbeerjoghurt auf dem Tisch steht, fahren Lastwagen 3000 Kilometer. Ein Zehntel würde reichen!</p></div>
<p>Sie zeigt, dass 3000 Kilometer Lastwagenfahrten hinter jedem Joghurtbecher stehen, und sogar 8000 Kilometer, wenn man auch noch die Fahrten der Zulieferer der Zulieferer mitzählt. Zweifellos kann man die gleiche Menge und Qualität von Erdbeerjoghurt mit einem Viertel oder auch einem Zehntel der Lastwagenkilometer organisieren.</p>
<p>Lassen Sie mich noch etwas Spekulatives für die Zukunft anzufügen. Eine vorstellbare und technisch ohne weiteres machbare Innovation wäre der normierte Container, der in einer halben Minute vom LKW auf die Bahn verladen werden kann. Ich stelle mir nach unten offene, mit Kugellagern bestückte Tragerohre unten am Container vor, die von robusten Teleskopstangen, die aus dem Güterwagen ausgefahren werden, optisch automatisch angesteuert werden. Dann lässt sich der Behälter ohne die langsamen Tragekräne sehr rasch herüberziehen. Analog braucht man noch einen horizontalen, rollenden Behälterumschlag zwischen zwei Zügen. So ein System könnte die Verlagerung von Frachtverkehr von der Straße auf die Schiene, von der seit Jahrzehnten geredet wird, endlich in Gang bringen. Natürlich müsste massiv in die Bahn und die neue Umschlagstechnik investiert werden. Und der Hafen Hamburg entwickelt die zugehörige Verladetechnik für Seeschiffe.</p>
<h2>Politik im Zeichen der Globalisierung</h2>
<p>„Faktor Vier“ ist eine schöne Vision. Aber wenn man alles dem Markt überlässt, dauert es viel zu lange, bis sich die Vision in einiger Breite durchsetzt. Denn die ökologischen Knappheitssignale kommen meist viel zu spät. Wenn wir mit dem CO2-Einsparen erst Ernst machen, wenn Hamburg unter Wasser steht, wird jeder in der Hansestadt und analog in allen Küstenregionen der Welt sagen, das sei zu spät. Der Markt ist ein gutes Steuerungsinstrument für die kurze Sicht und solange die Faktorpreise uns nicht anschwindeln.</p>
<p>Die hohe Transportintensität beim Erdbeerjoghurt ist das Resultat von Faktorpreisen: menschliche Arbeit ist teuer, Transporte sind vergleichsweise billig, und sie ermöglichen riesige Produktionsserien mit wenig Personal. Will man dies wieder ändern, muss man die Faktorpreise <em>politisch</em> beeinflussen.</p>
<p>Vor 1990 war das politisch noch nicht tabu. Man konnte über eine europaweit einzuführende <em>ökologische Steuerreform</em> sprechen, weil es ja volkswirtschaftlich äußerst vernünftig ist, den gar nicht mehr knappen Faktor Arbeit von Abgaben zu entlasten und den Faktor Energieverbrauch und Naturverbrauch zu <em>be</em>lasten. Bei einer reinen Binnenwirtschaft in Europa würde das zwar zu einem Strukturwandel im Inneren, aber volkswirtschaftlich zu Gewinnen statt Verlusten führen. Die Norddeutsche Affinerie, um die für Energiepreise sensibelste Firma in Hamburg zu nennen, würde zum europaweiten Kupferleasing übergehen, mit ganz neuen Geschäftsfeldern, aber deutlich weniger Kupfer schmelzen als heute.</p>
<p>Aber das ist heute im Weltmarkt völlig unrealistisch. Die Globalisierung, die in den 1990er Jahren, nach dem Ende des Kalten Krieges über uns hinweg gefegt ist, hat den grenzenlosen Kostenwettbewerb <em>weltweit</em> etabliert. Nationalstaaten und die EU haben heute hauptsächlich die Aufgabe, zur Wettbewerbsfähigkeit ihrer Region für ihre Wirtschaft beizutragen. Das ist übrigens ein riesiges Problem für die Demokratie! Wählerinnen und Wähler verstehen die Welt nicht mehr, seit sich der Staat zum Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft gemacht hat, und das in allen Ländern der Welt! Wir haben uns in der Bundestagsenquetekommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ intensiv den Kopf darüber zerbrochen! Gelegentlich habe ich daraus die Forderung abgeleitet, dass wir die Demokratie neu erfinden müssen, nur diesmal unter den Bedingungen der Globalisierung. Aber das ist nicht das Thema des heutigen Abends!</p>
<p>Aber sehr wohl müssen wir darüber reden, was die EU und die Nationalstaaten dafür tun können, dass die Faktorpreise weltweit der „ökologischen Wahrheit“ näher kommen.</p>
<p>Ein guter Gedanke ist ein weltweites CO2-Handelssystem. Wir aus den reichen Ländern müssten dann in Bangladesh shopping gehen und uns Lizenzen kaufen für unseren verschwenderischen Umgang mit Energie. Dann käme das Zweiliterauto in kürzester Zeit auf dem Markt. Und die Joghurtlogistik würde sofort umgestellt.</p>
<p>Man muss das ja nicht über Nacht machen. Die EU-Richtlinie zum Emissionhandel ist ein vernünftiger Einstieg, und die deutsche Umsetzung der Richtlinie ist durch die Einwirkung von Wirtschaftsminister Clement außerordentlich wirtschaftsfreundlich geraten. Ich habe das öffentlich und auch im Bundestag kritisiert, dass wir innerhalb Deutschland da überhaupt kein Preissignal erzeugen, weil wir von den Minus 21% gegenüber 1990 schon Minus 19% geschafft haben, hauptsächlich durch das Ausmustern ineffizienter DDR-Industrien, und dass die restlichen 2% bereits durch die rein betriebswirtschaftlich motivierte Kraftwerksmodernisierung in Niederaußem hereinfahren. Aber es gibt ja zum Glück den EU-Markt. Und die Österreicher und die Dänen und andere haben schon angekündigt, dass sie bei uns einkaufen gehen müssen. Dann gibt’s also doch ein Signal, dass die Effizienzverbesserung belohnt.</p>
<p>Von entscheidender Bedeutung ist aber dann die Einbeziehung der Entwicklungsländer. Denn dort findet das stärkste Wachstum statt und dort ist auch die Effizienzsteigerung derzeit am rentabelsten. Wenn dann Einzelstaaten ihre Effizienzstrategie durch eine ökologische Steuerreform unterstützen, ist das nur rational. Länder wie China, Indien, Ägypten oder Nicaragua haben viele billige Arbeitskräfte und zu wenig Energie. Warum sollten sie von amerikanischen Beraterfirmen zum verschwenderischen Umgang mit Energie und zugleich zur durch Robotik gekennzeichneten Arbeitsrationalisierung gedrängt werden? Zum Glück für sie gibt es auch die deutsche GTZ und entsprechende niederländische, schwedische und japanische Entwicklungsorga­nisationen, die ihnen den Einstieg in die Effizienz beibringen.</p>
<p>Zum Schluss noch eine gute Nachricht von den Börsen. Es gibt Pensionsfonds, die sich auf Aktien von Firmen konzentrieren, die in ökologischer Hinsicht die besten der Sparte sind und die zusätzlich noch einige Ökopioniere ins Portfolio aufnehmen. Hierfür gibt es einen „Dow Jones Sustainability Group Index“. Er lässt sich durch „back-casting“ auf seine Performance hin überprüfen. (Abb. 16).</p>
<div id="attachment_2665" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2665" class="size-full wp-image-2665" alt="Abb. 16: Der DJSGI schlägt den normalen Dow Jones" src="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-djsi-schlaegt-djgi.jpg" width="500" height="375" srcset="https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-djsi-schlaegt-djgi.jpg 500w, https://ernst.weizsaecker.de/wp-content/uploads/chart-djsi-schlaegt-djgi-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-2665" class="wp-caption-text">Abb. 16: Der DJSGI schlägt den normalen Dow Jones.</p></div>
<p>Sie sehen, dass der Sustainability Index eher besser liegt als der normale Dow Jones Group Index.</p>
<p>Das soll nun ein optimistischer Auftakt für die Diskussion sein!</p>
<p>[1] Vorsitzender des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages, Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.</p>
<p>[2] Ernst U. v. Weizsäcker, Amory Lovins, Hunter Lovins. 1995. Faktor Vier. Doppelter Wohlstand, halbierter Naturverbrauch. Droemer, München.</p>
<p>[3] Böge, Stefanie: Erfassung und Bewertung von Transportvorgängen. Die produktbezogene Transportkettenanalyse, in: Dieter Läpple (Hg.): Güterverkehr, Logistik und Umwelt, Berlin 1993.</p>
<p><em>Vortrag für Telekom, Hamburg, 24.8.2004</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Streitgespräch mit Bjørn Lomborg</title>
		<link>https://ernst.weizsaecker.de/streitgespraech-mit-bjoern-lomborg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Aug 2002 22:29:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Statistikprofessor provoziert die Umweltschützer: Der Welt gehe es so gut wie nie. Doch da kann ein Veteran der Öko-Bewegung nur den Kopf schütteln.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/streitgespraech-mit-bjoern-lomborg/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><span style="line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;">Ein Statistikprofessor provoziert die Umweltschützer: Der Welt gehe es so gut wie nie. </span>Doch da kann ein Veteran der Öko-Bewegung nur den Kopf schütteln.</em></p>
<p><em>Bjørn Lomborg, 37, Statistikprofessor am politologischen Institut der Universität Aarhus, provozierte in Dänemark erbitterte Debatten in der Presse, als er behauptete: „Der Erde ging es noch nie so gut wie heute.“ Sein Buch über den „wirklichen Zustand der Welt“ erschien im vergangenen Jahr auf Englisch, in diesem Monat unter dem Titel „Apocalypse No!“ auf Deutsch (Verlag zu Klampen, Lüneburg). Seit Februar ist Lomborg Direktor des neuen dänischen Instituts für Umweltbewertung.</em></p>
<p><em>Ernst Ulrich von Weizsäcker, 63, ist das personifizierte deutsche Umweltgewissen. Als Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie (1991–2000) setzte sich der Biologe und Physiker für Klimaschutz, die Öko-Steuer und die ökologische Effizienzrevolution ein (mehr darüber in seinem Buch „Faktor vier. Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch“, Verlag Droemer Knaur, München). Von Weizsäcker ist Mitglied des Deutschen Bundestags.</em></p>
<p><strong>Chrismon: Herr von Weizsäcker, Ihr Gesprächspartner hat in den vergangenen Monaten viele umweltbewegte Menschen mit seinen Thesen geärgert. Sie auch?</strong></p>
<p><strong>Ernst Ulrich von Weizsäcker:</strong> Herr Lomborg wird ja immer dargestellt als ein Ritter, der gegen einen Drachen kämpft. Der Drache ist die ökologische Bewegung, die angeblich Ressourcen von der Menschheit wegnimmt, um sie für Pseudoprobleme zu verschwenden. Das ärgert mich.</p>
<p><strong>Bjørn Lomborg:</strong> Um im Bild zu bleiben, möchte ich sagen, dass der Drache oft Ressourcen von besseren Projekten abzieht und sie weniger guten zuführt. Und ja, dagegen kämpfe ich.</p>
<p><strong>Chrismon: &#8230;und werden dafür heftig kritisiert. In Ihrem Buch „Apocalypse No!“ schreiben Sie, dass der Zustand der Welt immer besser wird – viel besser, als Umweltschützer behaupten. Was brachte Sie zu diesem überraschenden Ergebnis, Herr Lomborg?</strong></p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Die meisten von uns hegen das Vorurteil, dass sich die menschlichen Lebensbedingungen kontinuierlich verschlechtern, dass wir unseren Kindern einen zerstörten Planeten hinterlassen. Und das stimmt einfach nicht. Wir verfügen heute weltweit über mehr Nahrungsmittel als früher, immer weniger Menschen hungern, wir leben länger, es gibt weniger Infektionskrankheiten, höhere Einkommen, mehr Freizeit. Und vor allem: Die Umweltverschmutzung nimmt in nahezu jeder Hinsicht in den entwickelten Erdteilen ab. Diese durchweg positiven Trends entdeckte ich in den Statistiken renommierter Organisationen wie der Vereinten Nationen und der Weltbank. Zudem stellte ich fest, dass viele Umweltprobleme nicht wegen der Öko-Bewegung beseitigt wurden, sondern dank verbesserter Technologien.</p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Dass wir heute in den Industrieländern gesündere Luft und saubereres Wasser haben, ist eine Konsequenz der Proteste der Umweltschützer. Mich beunruhigt, dass sich gegen Umweltschäden, die erst in 50 Jahren auftreten oder die nicht direkt den Alltag der Menschen betreffen wie das Verschwinden von Schmetterlingsarten im Kongo, nicht genug öffentlicher Protest organisieren lässt. Und deshalb verbessern sich die Langzeittrends beim Klimawandel und beim Artenschwund eben nicht, wie Sie behaupten.</p>
<p><strong>Lomborg: </strong>Sich um Schmetterlinge zu kümmern, ist doch ein Wohlstandsphänomen! Nur wer ausreichend reich ist, kann sich den Luxus leisten, um Insekten im Kongo besorgt zu sein. Wir müssen den armen Ländern helfen, es zu Wohlstand zu bringen, dann verbessern sich auch dort die Umweltbedingungen.</p>
<p><strong>von Weizsäcker: </strong>Mehr Wohlstand führt nicht automatisch zu einer besseren Umwelt. Reichtum ist oft verbunden mit einem immensen Naturverbrauch: Wenn alle so leben wollten wie die Deutschen, bräuchten wir zwei Planeten statt einem.</p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Was den angeblich zu großen Landverbrauch reicher Länder angeht: Sehen Sie, irgendwann sind wir so reich, dass wir mehr Zeug gar nicht in unsere Wohnzimmer stopfen können und folglich auch keine zusätzlichen Produktionsflächen mehr beanspruchen müssen. Was wir stattdessen konsumieren, ist Unterhaltung. Und dafür benötigen wir kein zusätzliches Land.</p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Sicher, es kann diesen Sättigungspunkt geben. Die Frage ist: Werden wir ihn früh genug erreichen? Ich schätze: Nein.</p>
<p><strong>Chrismon: Bis dahin dürften Tausende Arten ausgestorben sein. Herr Lomborg, macht es Ihnen etwas aus, wenn es manche Tier- und Pflanzenarten nie mehr geben wird?</strong></p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Selbstverständlich. Ich würde gerne meinen Kindern und Enkeln eine Welt hinterlassen, die so vielfältig ist, wie ich sie erlebt habe. Ich selbst bin ja Vegetarier, weil ich keine Tiere töten möchte. Aber auch für die Artenvielfalt gilt: Es ist eine ethische Entscheidung, wie viel Geld wir dafür investieren. Es gibt Millionen Probleme in der Welt, aber wir können nur die wichtigsten lösen, denn wir haben nur begrenzt Geld. Ist es wichtiger, die erwähnte Schmetterlingsart zu retten oder mit demselben Aufwand Menschenleben im Straßenverkehr und in der Dritten Welt? Mir scheint, dass Menschenleben doch wichtiger sind.</p>
<p><strong>Chrismon: Gehört die möglicherweise drohende Klimakatastrophe zu den wichtigsten Problemen?</strong></p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Die globale Erwärmung ist ein Problem, das vor allem der Dritten Welt schadet. Aber wenn wir, um der Dritten Welt zu helfen, unsere CO2-Emissionen reduzieren, wird das äußerst teuer, wie Studien zeigen, und verzögert zudem die Folgen des Klimawandels nur um wenige Jahre. Die von zunehmenden Sturmfluten bedrohte Familie in Bangladesch muss dann vielleicht nicht 2100 umziehen, sondern erst 2106. Statt jetzt viel Geld auszugeben, um Leuten in 100 Jahren zu helfen, könnten wir sehr viel näher liegende Probleme der Entwicklungsländer lösen, zum Beispiel jedem Menschen auf der Welt sauberes Trinkwasser und Gesundheitsversorgung verschaffen.</p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Ich glaube nicht an Ihre Kostenkalkulationen. Vieles von dem, was Sie Kosten nennen, sind Investitionen in klimaschonende Zukunftstechnologien. Die sollten aus Modernisierungsgründen ohnehin getätigt werden. Der Klimaschutz fällt uns, wenn wir es richtig machen, in den Schoß.</p>
<p><strong>Chrismon:</strong> Herr Lomborg, wenn Sie Klimaschutzmaßnahmen für ineffizient halten, was sagen Sie dann dem Bangladescher, dessen Haus überflutet werden wird?</p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Selbst die pessimistischen UN-Klima-Szenarios rechnen damit, dass die Menschen in den Entwicklungsländern im Jahr 2100 so reich sein werden wie wir heute. Es klingt besonders moralisch zu sagen, ich löse die Probleme für deine Kindeskinder, aber das ist ineffizient und unmoralisch, da wir Mittel für eine ungewisse Zukunft ausgeben, die wir mit sicherem Erfolg auch für heute lebende und leidende Menschen ausgeben könnten. Zudem: Die bekannten Prognosen rechnen nicht mit einem dramatischen Anstieg des Meeresspiegels, sondern maximal mit 20 bis 50 Zentimetern. Das zu bewältigen, wird nicht billig, aber es wird auch nicht das Hauptproblem irgendeines Landes sein.</p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Vor 7800 Jahren stieg innerhalb weniger Jahrzehnte der Meeresspiegel um sieben Meter, weil das Eis, das die Hudsonbai und Labrador bedeckte, in den Atlantik gerutscht ist. Das ist vermutlich der historische Hintergrund der Sintflut-Sage. Das Eis, das heute Grönland und die Antarktis bedeckt, hat große Ähnlichkeit mit dem Eisschild, der damals über Labrador und der Hudsonbai lag. Und dort, in den Polarregionen, erwärmt sich das Klima am stärksten. Ich will damit sagen: Nur auf die Daten des bisherigen Meeresspiegelanstiegs zu schauen, der fast ausschließlich aus der Ausdehnung wärmeren Wassers resultiert, ist kein guter Rat.</p>
<p><strong>Chrismon: Wer ist ein guter Ratgeber?</strong></p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Die Sintflut-Geschichte. Wir sollten folgendes Gedankenexperiment machen: Die Wahrscheinlichkeit eines Mega-Ereignisses wie der Sintflut beträgt vielleicht nur ein Prozent für das nächste Jahrhundert. Aber stellen Sie sich vor, im Genehmigungsverfahren eines Atomkraftwerks würden die Techniker die Wahrscheinlichkeit einer Reaktorexplosion, die vielleicht 10 Millionen Tote zur Folge hätte, mit einem Prozent angeben. Der Reaktor hätte keinerlei Chance, genehmigt zu werden.</p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Ist das wirklich ein gutes Argument? Die meisten Klimaforscher halten diese Ereignisse für die nächsten 100 Jahre für sehr unwahrscheinlich. Zudem werden wir vermutlich nicht das ganze 21. Jahrhundert hindurch fossile Brennstoffe nutzen, sondern irgendwann werden die erneuerbaren Energien so billig, dass sie Kohle und Öl ersetzen. Sicher, Ihr intuitives Modell mit einem Prozent Risiko könnte richtig sein. Aber wir sollten große Investitionen nur von den besten Modellen abhängig machen, nicht von bloßer Intuition.</p>
<p><strong>Chrismon: Ist es vielleicht sinnvoll, aus pädagogischen Gründen zu übertreiben, damit sich die Leute stärker für Umweltbelange einsetzen?</strong></p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Ich glaube nicht, dass ich übertreibe. Ich appelliere vielmehr an den Verstand der Menschen.</p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Ich meine, viele ökologisch Engagierte würden sagen: Es ist schon okay zu übertreiben, weil, hey, wir weisen ja schließlich auf ein sehr relevantes Thema hin. Das Problem ist nur, wenn jeder übertreibt, dann gibt es viel Schreierei. Und wer am lautesten schreit, gewinnt – und das ist eben kein guter Weg, um Prioritäten in einer Gesellschaft festzulegen.</p>
<p><strong>Chrismon: Herr Lomborg, Sie waren einst Mitglied von Greenpeace&#8230;</strong></p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Der Grund, warum ich damals ausgetreten bin, war schlicht, dass ich als Student kein Geld mehr für die Mitgliedsbeiträge hatte. Und heute würde es wohl als Provokation ausgelegt werden, wenn ich bei Greenpeace eintreten würde.</p>
<p><strong>Chrismon: Wenn Sie immer noch Sympathien für Greenpeace hegen, Herr Lomborg, haben Sie dann auch wie viele Umweltschützer ein schlechtes Gewissen, wenn Sie mit dem Flugzeug reisen?</strong></p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Das fände ich ziemlich daneben. Wenn wir als Gesellschaft den Flugverkehr vermindern wollen, dann sollten wir ihn zum Beispiel besteuern. Und dann aber auch mit gutem Gewissen fliegen. Fliegen ist eine großartige Sache. Es erlaubt heute vielen Menschen, andere Menschen und Kulturen kennen zu lernen.</p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Sicher, man muss sich nicht dauernd schuldig fühlen. Aber ich versuche, das Fliegen zu vermeiden. Manchmal geht es nur nicht anders.</p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Aber merken Sie nicht, dass wir uns viel zu selten daran freuen, dass wir diese Errungenschaften genießen können?</p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> Herr Lomborg, Sie vertreten doch in Wirklichkeit die Mehrheitsmeinung. Millionen von Touristen teilen Ihre Meinung. Was ich nicht mag, ist, wenn die Mehrheit behauptet, sie sei die Minderheit und müsste sich gegen die Verschwörung der Umweltschützer wehren. Das Gegenteil ist richtig. 999 von 1000 Reisenden sehen das alles genau wie Sie.</p>
<p><strong>Lomborg:</strong> Aber dies sind nicht die Leute, die in den Konferenzen sitzen und Entscheidungen treffen. Dort sitzen nur die gut bezahlten Bedenkenträger, die sich etwas auf ihr schlechtes Gewissen zugute halten und auf die kleinen Leute herabschauen, die sich einfach über die Errungenschaften unserer Zivilisation freuen. Ich weiß nicht, wer von beiden mir sympathischer ist.</p>
<p><strong>von Weizsäcker:</strong> (lacht) Okay, es gibt sicher einige Kreise, wo Sie nicht zur Mehrheit gehören würden.</p>
<p><em>Moderation: Thomas Bastar und Axel Reimann</em></p>
<p><em>Erschienen in: Chrismon, Ausgabe 8/2002</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Ich bin kein Prophet“</title>
		<link>https://ernst.weizsaecker.de/ich-bin-kein-prophet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Jun 2002 11:49:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Wissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker ist neuer Vorsitzender des Umweltausschusses im Deutschen Bundestag. fairkehr Chefredakteur Michael Adler sprach mit ihm über Klimaschutz, Visionen und Spielräume der Politik.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/ich-bin-kein-prophet/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em style="line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;">Der Wissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker ist neuer Vorsitzender des Umweltausschusses im Deutschen Bundestag. fairkehr Chefredakteur Michael Adler sprach mit ihm über Klimaschutz, Visionen und Spielräume der Politik.</em></p>
<p><strong>fairkehr: Anlässlich des Elbhochwassers haben Sie gesagt, weltweit müssten die Klimagasemissionen halbiert werden, um ihre Konzentrationen zu stabilisieren. Wieviel Auto und Flugzeug verträgt unser Klima?</strong></p>
<p>von Weizsäcker: Verkehr, wie alle Infrastruktur, ist nicht innerhalb einer Legislaturperiode zu ändern. Das Klima verträgt nicht soviel Verkehr wie wir derzeit haben, aber es gibt keine politisch realistische Option, das zu verändern. Um eine Verkehrswende zu einem klimaverträglichen Verkehr herbeizuführen, muss man einen Zeithorizont von 50 Jahren oder mehr ansetzen.</p>
<p><strong>Reichen die Anreize, die Rot-Grün in den ersten vier Jahren gesetzt hat, aus und war das das politisch Mögliche?</strong></p>
<p>Das war das politisch Mögliche, aber das reicht natürlich nicht aus. Ich habe eine Vision, die vorläufig auch noch nicht als politisch realistisch angesehen werden kann. Dass man sich über die Parteigrenzen hinaus mit CDU und FDP und möglichst europaweit einigt, fünf Jahrzehnte lang den Preis der ökologisch problematischen Treibstoffe für Flugzeug, Straßenverkehr und auch nicht verkehrliche Energieträger um drei bis vier Prozent pro Jahr zu erhöhen.</p>
<p><strong>Ist es schlauer, Prozentzahlen zu nennen statt absoluter Zahlen?</strong></p>
<p>Es ist politiknäher. Ich kann mir vorstellen, dass man einen prozentualen Preiskorridor beschließen kann, während man einen Euro-Korridor nicht so leicht durchsetzen kann.</p>
<p><strong>Sehen Sie Bündnispartner für Ihre Vision auch in der eigenen Partei?</strong></p>
<p>Der stärkste Widerspruch kommt aus dem Finanzministerium. Das Finanzministerium will nur einen Steuerpfad, nicht einen Preispfad festlegen. Ein Steuerpfad wird aber im Zuge von Weltmarktschwankungen extrem unpopulär. So wie unsere Ökosteuer im Jahr 2000, als der Rohölpreis brutal in die Höhe geschossen ist. Hätte man einen Preispfad festgelegt, hätte man im Jahr 2000 den Öko-Aufschlag zurückgenommen. Und das gesamte Volk hätte gesagt, das sind aber einfühlsame Politiker. Für den Finanzminister ist allerdings ein Preiskorridor schwer kalkulierbar.</p>
<p><strong>Ein Preispfad würde festschreiben: Im Jahr 2003 kostet der Liter Sprit 1,15 Euro, im Jahr 2004 1,20 Euro usw.?</strong></p>
<p>Ja. Ein „Korridor&#8220; bietet mehr Spielraum. Wenn die Preise um drei bis vier Prozent ansteigen, entspricht das der Effizienzsteigerungsrate des Gesamtsystems. Wenn die Autoflotte im Jahr etwa drei Prozent effizienter wird und im gleichen Jahr der Benzinpreis um drei Prozent ansteigt, fährt die Flotte gleich viele Kilometer für gleich viel Euro und die Volkswirtschaft braucht drei Prozent weniger Sprit.</p>
<p><strong>Ist die von Ihnen geforderte Effizienzsteigerung nicht der energetische Freibrief für das Weiterrasen wie bisher? Noch dazu mit ruhigem Umweltgewissen?</strong></p>
<p>Nein. Sie kennen die Grafik aus „Faktor Vier&#8220;, wo der Treibstoffverbrauch pro Kopf und Jahr und der Treibstoffpreis gegenübergestellt wurden. Wir sehen eine nahezu perfekte Preiselastizität. Japan und Italien hatten über die Jahrzehnte einen viermal so hohen Preis wie die USA und ein Viertel des Verbrauchs.Das ist weniger eine Frage des Verbrauchs italienischer Autos als vielmehr der Infrastruktur. Und: Dies ist eine Momentaufnahme nach 50 Jahren, in denen konsequent die Treibstoffpreise in den USA niedrig und in Japan und Italien hoch gehalten wurden. Von 1930 bis 1990 ist das einstmals führende Eisenbahnsystem der USA kollabiert, während in Japan der Schnellzug Shinkansen erfunden wurde. Es ist damit empirisch belegt, dass über den Preis nicht nur die Autotechnologie, sondern auch die Infrastruktur und das Verhalten angesprochen werden.</p>
<p><strong>Die Reaktion der Verbraucher im Jahr 2000 auf die hohen Preise, nämlich weniger zu tanken, passt also in Ihr Bild?</strong></p>
<p>Aber ja! Denken wir als nächstes an die Ingenieure bei DaimlerChrysler und Bosch. Diese wissen dann, das geht jetzt 50 Jahre so weiter. Sie brauchen auch nicht auf einen Regierungswechsel zu hoffen, denn die Opposition hat zugestimmt, dann müssen sie ein Supereffizienzauto bauen. Das wird dann auch zum Mega-Exporterfolg.</p>
<p><strong>Bei aller Sympathie für Ihre Vision: Angesichts aktueller Klimaveränderungen sind mir 50 Jahre zu lang. Ist es dann nicht längst zu spät?</strong></p>
<p>Ich bin kein Prophet. Es ist nicht auszuschließen, dass das Grönlandeis einen Riss bekommt, und innerhalb von nur wenigen Jahren die Hälfte dieses Eispanzers abbricht. Wenn dies konkret zu befürchten ist, werden die Bewohner von Hamburg, von den Niederlanden, von Bangladesh und von Florida eine gemeinsame, machtvolle Lobby zu einer dramatischen Verschärfung der Klimaschutzpolitik bilden. Und dann wird politisch manches möglich sein, was heute als vollkommen abenteuerlich gilt.</p>
<p><strong>Das ist mir zu fatalistisch. Warum sind wir nicht in der Lage politisch präventiv zu handeln?</strong></p>
<p>Weil die Betroffenheit eine indirekte ist. Der Unterschied zwischen der alten Umweltpolitik, die sich im wesentlichen auf Schadstoffkontrolle bezog, und der neuen Umweltpolitik, die sich auf langfristige Gefahren bezieht, ist der, dass bei der alten die Betroffenheit immer sofort gegeben war: die Pseudo-Krupp-Opfer, die Holzschutzmittelgeschädigten usw. Auch die Medien haben dies im Sinne der Umwelt transportiert. Dagegen ist die Besorgnis, dass in 80 Jahren, vielleicht auch schon in 30 Jahren, Grönland oder die Antarktis entzwei brechen, für eine Bild-Zeitung, deren Tugend die Tagesaktualität ist, nicht transportierbar. Entsprechend ist der Politikerspielraum gering. Das ist die Realität des Politikers. Die Massenmedien sind eine reale Begrenzung des Spielraums.</p>
<p><strong>Kommen wir nochmal auf das Spannungsfeld Wissenschaft/Politik. Sie als ehemaliger Direktor des Wuppertal-Instituts und Mitglied im Club of Rome wissen doch viel mehr, als sie politisch durchsetzen können. Wie halten Sie diesen Widerspruch aus?</strong></p>
<p>Ich mag die Menschen. Auch die, die nicht meiner Meinung sind. Ich kann damit leben, dass ein Bundeskanzler diese von mir zitierten Grenzen des Spielraumes viel stärker betont, als ich das als Wissenschaftler tun musste. Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass dies dennoch die beste Staatsform ist.</p>
<p><strong>Nun ist Trittin Umweltminister, Sie sind Vorsitzender des Umweltausschusses, Reinhard Loske, ein Mitstreiter aus Wuppertaler Zeiten ist Fraktionssprecher der Grünen. Die Ökosteuer ist dennoch per Kanzlermachtwort vorerst gestoppt. Auf welche politische und personelle Konstellation müssen wir denn noch warten, damit Sprünge und nicht Trippelschritte in der Umweltpolitik möglich sind?</strong></p>
<p>Die von Ihnen genannten Personen sind in unserem Land, und das wäre in allen anderen Ländern ebenso, in einer strukturellen Minderheitensituation. Diese Minderheitensitutaion muss in eine strukturelle Mehrheitssituation verändert werden. Ich möchte nochmal die Grönlandbedrohung von vorhin aufgreifen. Davor gibt es natürlich noch eine Reihe von Optionen, bis hin zu Lösungen, die keiner Bedrohung bedürfen. Ich habe mir beispielsweise von Bewohnern eines Passivhauses erklären lassen, dass die Lebensqualität dort wesentlich höher ist, als in einem normalen Neubau. Hier sind keinerlei Einschränkungen für Otto-Normalverbraucher nötig. Keiner muss besonders ökologisch gesonnen sein. Und trotzdem kommt um den Faktor zehn weniger Naturverbrauch heraus. Das Spektrum der ökologischen Optionen reicht von hoher Bedrohung und hoher Bereitschaft, das Leben radikal umzustellen bis zu Null Bedrohung, null Verhaltensänderung und doch 90 Prozent ökologischem Fortschritt.</p>
<p><strong>Sie haben das Passivhaus genannt. Nimmt man wieder das Klimaschutzziel heran, dann fällt auf, alle Politikfelder sind CO2-mindernd bestellt, nur der Verkehr nicht. Was können Sie als Politiker tun, damit sich an der Trägheit des Systems etwas ändert? Insbesondere bei der SPD.</strong></p>
<p>Ich widerspreche. Es ist nicht die Aufgabe des Deutschen Bundestags exzentrische Ideen durchzusetzen. Dieses müssen die Umweltverbände oder Zeitschriften wie fairkehr und aufgeklärte Journalisten und Publizisten in die öffentliche Diskussion bringen. Dann muss es Streitgespräche bei Sabine Christiansen geben zu solchen Themen. So trägt man die Themen in die Politk, nicht über die Kreativitat des Umweltausschussvorsitzenden. Wenn es keine spürbare gesellschaftliche Resonanz für ein Thema gibt, ist der Spielraum für kreative Politiker gleich Null.</p>
<p><strong>Bei Tempolimits für deutsche Autobahnen haben Sie bei Umfragen eine Mehrheit von 80 Prozent.</strong></p>
<p>Es gibt bestimmte Tabus, die auch in unserer Fraktion nicht ganz einfach zu überwinden sind. Was ich sagen will, ist: Man muss von der Politik nicht in erster Linie Kreativität und Mut verlangen, sondern zuerst Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Dies aber dann in der richtigen Richtung. Die alte Umweltpolitik konnte von einem hierfür zuständig erklärten Umweltministerium und -ausschuss gemacht werden. Die neue Umweltpolitik wird teilweise in Feldern gemacht, in denen der Verkehrs-, Agrar- oder Finanzausschuss federführend ist. Wir treten also in eine neue Phase der Umweltpolitik ein, die neue Strukturen fordert.</p>
<p><em>Erschienen in: fairkehr, Ausgabe 6/2002</em></p>
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