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	<title>Gentechnik - Ernst Ulrich von Weizsäcker</title>
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		<title>Agrosprit: Beimischungsziel senken!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 May 2008 11:05:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Energie]]></category>
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					<description><![CDATA[Jahrtausendelang war Energie vom Acker und vom Wald die hauptsächliche Energiequelle für die menschliche Zivilisation. Warum dann nicht wieder, wo uns jetzt Sorgen um Klima und Ölvorräte drücken? Der Grund ist simpel: Während jener Jahrtausende lag die Zahl der Menschen auf der Erde zehn bis hundertmal niedriger als heute und war der Pro-Kopf-Energieverbrauch zehn bis hundertmal niedriger als heute in den reichen Ländern.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/agrosprit-beimischungsziel-senken/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jahrtausendelang war Energie vom Acker und vom Wald die hauptsächliche Energiequelle für die menschliche Zivilisation. Warum dann nicht wieder, wo uns jetzt Sorgen um Klima und Ölvorräte drücken? Der Grund ist simpel: Während jener Jahrtausende lag die Zahl der Menschen auf der Erde zehn bis hundertmal niedriger als heute und war der Pro-Kopf-Energieverbrauch zehn bis hundertmal niedriger als heute in den reichen Ländern. Der damalige Energieverbrauch war also hundert bis zehntausendmal niedriger als heute.</p>
<p>Anders: Gegen Bio- oder Agrotreibstoffe im niedrigen Prozentbereich der heutigen Energieverbräuche ist prinzipiell nichts einzuwenden. Aber bei dieser Größenordnung bleibt der Beitrag zum Klimaschutz und zur Schonung der Ölvorräte definitionsgemäß sehr bescheiden. Es sei denn, die Menschheit lernt, den Energieverbrauch drastisch zu senken.</p>
<p>Es war die freche Vollmundigkeit von Vertretern besonders der US-amerikanischen und brasilianischen Landwirtschaft und der weltweit operierenden Biotech-Firmen, die den Widerstand auf den Plan gerufen hat.</p>
<p>Die Popularität des Klimaschutzes verführte die Klimaschützer dazu, alles, was irgendwie CO2 mindert, gutschriftfähig zu machen. Die EU sah die einmalige Chance, durch Biosprit-Beimischungsgebote einen verlockenden Deckungsbeitrag für europäische Landwirte zu sichern und so das Dauerthema Agrarsubventionen zu entschärfen. Eine Agro-Klima-Allianz schien in Greifnähe. In Brasilien packte die Facenderos ein Bioalkoholfieber, das auch US-Präsident Bush ansteckte. Der sah die Chance, dem verhassten Ölexporteur Hugo Chavez und den islamischen Ölländern eins auszuwischen sowie die für die Vorwahlen wichtigen Bauern von Iowa zu erfreuen. Er flog eigens um der Agrotreibstoffe willen nach Brasilien, in Begleitung der mächtigen Gentech-Industrie, die hier die Gelegenheit witterte, ihre Kreationen als „Klimaschutz“ zu verkaufen.</p>
<p>Nun waren tropische Großplantagen, mit oder ohne Gentechnik, noch nie Sympathieträger. Bald sprach sich auch herum, dass sie einen zusätzlichen Verdrängungseffekt gegen Kleinbauern haben, die ihrerseits in Urwaldgebiete abgedrängt wurden. „Abgedrängt“ ist eine Beschönigung. Menschenrechts­verletzungen sind an der Tagesordnung. Sozial explosiv war auch die Verdrängung von Nahrungsmitteln durch Biotreibstoffe sowie von Trinkwasser durch Bewässerung von Plantagen. Vermehrte Brandrodungen und gedüngte Plantagen mit großen Lachgasemissionen verstärken zudem den Treibhauseffekt statt ihn zu mildern.</p>
<p>So gibt es also soziale, klimapolitische und Naturschutzgründe gegen den Biospritwahn. Die Stimmung drohte weltweit umzukippen. Wesentlichen Anteil hieran hatte die Agrofuels-Studie von Juni 2007 [1], die die zentralen Behauptungen der Biospritlobby einem Realitätstest unterzog und weitgehend zerschmetterte.</p>
<p>Aufgeschreckt durch den Meinungsumschwung bewegten sich nun EU, Deutschland und andere von einer naiven Agrospritpolitik zur Einführung von Kriterien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Die EU wagt sich dabei unter Führung des mutigen Umweltkommissars Dimas ziemlich weit vor. Aber sie kann selbst bei strengen Kriterien nicht verhindern, dass die Erfüllung ihres zu hohen 10%-Beimischungszieles einen Nachfragesog erzeugt. Unvermeidlich gerät dieser in Konflikt mit der Zielsetzung erschwinglicher Nahrungsmittel in den Entwicklungsländern. Folgerichtig sagt der Sachverständigenrat für Umweltfragen, dass die EU das Beimischungsziel senken muss [2].</p>
<p>Auch die EU-Entscheidung, aus Gründen der Bereitstellung von Biosprit ihre seit Jahrzehnten laufende Flächenstilllegungspolitik zu beenden, muss aus ökologischer Sicht scharf kritisiert werden. Die Flächenstilllegungen haben entscheidend zur Erholung einiger für selten gewordene Pflanzen- und Tierarten wichtiger Lebensräume beigetragen!</p>
<p>Der EU droht aber auch von ganz anderer Seite Ungemach: von der Welthandelsorganisation WTO. Diese betrachtet ja so gut wie alle „Kriterien“ als Handelshemmnis, und sie hat die Muskeln, jeden Verstoß gegen den Freihandel mit üblen Sanktionen zu ahnden. Es muss sich nur ein Kläger finden, und der ist in Brasilien und den USA sofort zur Stelle.</p>
<p>Eine gewisse Hoffnung, das Blatt doch noch zu Gunsten von Agrotreibstoffen zu wenden, liegt in den Biotreibstoffen „der zweiten Generation“. Was ist damit gemeint? Es sind im wesentlichen zwei ganz verschiedene Arbeitsstränge:</p>
<ul>
<li>Erstens die Züchtung von Algen, die man möglichst mit CO2-Abgasen „düngt“ und nachher zu Treibstoff verarbeitet. Das ist eine Lieblingsidee der Freunde der CO2-Abscheidungstechnik. Man hofft auf das „CO2-freie Kraftwerk“, das am Ende auch noch Sprit erzeugt; &#8211; wobei dessen Verbrennung im Auto das CO2 natürlich doch noch freisetzt.</li>
<li>Zweitens ein Programm einer neuen Großtechnik auf der Basis von Zellulose-haltiger Biomasse, vor allem Holz oder auch Schilfgras. Man kann mit Zellulose pro Hektar wohl viermal so viel Sprit erzeugen wie mit Mais, Raps oder Zuckerrohr, und man hat geringere Konkurrenz zur Nahrungsmittel­erzeugung. Nun ist aber Zellulose nicht leicht zu knacken. Also arbeitet man an der Züchtung von Mikroorganismen, die eben dies besorgen. Man setzt auf gentechnisch konstruierte Einzeller, die Treibstoffe gasförmig oder flüssig ausscheiden, die man dann ernten kann. Den Forschern wäre es am liebsten, wenn man gleich Wasserstoff ernten könnte, um damit dann abgasfreie Wasserstoff-Brennstoffzellenautos zu betreiben.</li>
</ul>
<p>Die Firma BP (Slogan: „Beyond Petroleum“) hat eine halbe Milliarde Dollar in ein wissenschaftliches Großprojekt für die zweite Strategie gesteckt, welches von Berkeley aus koordiniert wird [3]. Der vielleicht bekannteste Wagniskapitalist Amerikas, Vinod Khosla, investiert Hunderte von Dollarmillionen in verschiedene Ideen dieser Art. Die ökologische Seite ist dabei übrigens alles andere astrein. Schwachholz und Holzabfälle sind ein ökologisch akzeptabler (aber quantitativ begrenzter) Rohstoff, Gentechnik­bäume sind hochgradig problematisch, und die Umweltauswirkungen von freigesetzten gentechnisch veränderten Zellulose-fressenden Mikroben sind vorläufig unbekannt!</p>
<p>Die Vorstellung, mit Biotreibstoffen der zweiten Generation das Klimaproblem wesentlich zu entschärfen, ist nichts für die nächsten zehn Jahre, möglicherweise auch nichts für die nächsten dreißig Jahre. Es ist also unwahrscheinlich, dass sie für die Nachfolgeregelungen zum Kioto-Protokoll eine quantitativ nennenswerte Rolle spielt.</p>
<p>Somit komme ich zu dem Ergebnis, dass die Hoffnung, mit Bio- oder besser Agrotreibstoffen ernstlich etwas zur Milderung der Klimagefahren beizutragen oder die Ölbasis zu erweitern, vorläufig gering ist. Was nicht heißt, dass man nicht aus land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen oder städtischen Abfällen Energie oder Treibstoffe gewinnen soll und dass man nicht in einem bescheidenen und ökologisch gut durchdachten Rahmen auch Agrotreibstoffe anbauen oder aus einigen Weltgegenden importieren soll. Aber bitte ohne einen viel zu ehrgeizigen Prozentsatz und ohne klimapolitische Heilsversprechungen!</p>
<h2>Quellen:</h2>
<p>[1] Agrofuels. Towards a reality check in nine core areas, Paris, Juni 2007, www.econexus.info. Vgl auch Jack Santa Barbara. The False Promise of Biofuels. International Forum on Globalization, San Francisco Sept. 2007.<br />
[2] Sachverständigenrat für Umweltfragen. Klimaschutz durch Biomasse. Juli 2007. Erich Schmidt-Verlag, Berlin.<br />
[3] Vgl. die Website des Energy-Bioscience Institute:  http://www.energybiosciencesinstitute.org</p>
<p><em>Erschienen in: Jahrbuch Ökologie 2009, Disput. Abgedruckt in: „Freitag“ vom 2.5.2008</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Alles verzockt? – Eine Zukunftsperspektive</title>
		<link>https://ernst.weizsaecker.de/alles-verzockt-eine-zukunftsperspektive/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2005 19:50:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Energie]]></category>
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					<description><![CDATA[Verzocken wir heute das Morgen? Das ist die Hauptfrage heute Nachmittag. Verzocken ist ein übles Wort. Wenn die Bild-Zeitung Politiker beschimpft, kommt regelmäßig das Wort Abzocken vor. Verzocken heißt verprassen. Es deutet an, wir leben in Saus und Braus.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/alles-verzockt-eine-zukunftsperspektive/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Deutscher Evangelischer Kirchentag Hannover, 27.5.2005</em><br />
<em> Kredite auf die Zukunft: Verzocken wir heute das Morgen?</em></p>
<p>Verzocken wir heute das Morgen? Das ist die Hauptfrage heute Nachmittag. Verzocken ist ein übles Wort. Wenn die Bild-Zeitung Politiker beschimpft, kommt regelmäßig das Wort Abzocken vor.</p>
<p>Verzocken heißt verprassen. Es deutet an, wir leben in Saus und Braus. Ich kenne fast keine Familie, die glaubt, in Saus und Braus zu leben. Daher werden die meisten im Land empört reagieren, wenn jemand sagt, sie würden die Zukunft verzocken. Ich sage also deutlich, dass mir der Titel „Alles verzockt“ nicht gefällt, auch wenn ein Fragezeichen dahinter ist.</p>
<p>Und doch muss man die dahinter liegende Frage ernst nehmen. Das hat Angelika Zahrnt deutlich gesagt.</p>
<p>Lassen Sie mich die ökologische Herausforderung noch einmal drastisch beleuchten:</p>
<p>Wir rotten täglich rund 50 Tier- oder Pflanzenarten aus. 80% der in Deutschland heimischen Schmetterlingsarten gelten als gefährdet. Das Klima ändert sich rasant. Schauen wir etwa nach Grönland. Dort hat sich in nur zehn Jahren die Fläche vervierfacht, wo im Sommer Schmelz- und Regenwasserseen sind. Diese Fläche ist jetzt schon doppelt so groß wie Deutschland. Wer kann voraussagen, wie lange das Grönlandeis noch mechanisch stabil bleibt? Und wenn das Eis auseinander bricht und der Meeresspiegel um 7 Meter steigt, wie sieht dann Holland aus? Oder die norddeutsche Tiefebene oder die Mündungsgebiete des Ganges, des Nil, des Mississippi? Mehr als eine Milliarde Menschen leben an den Küsten, und dort ist auch die Industrie- und Wirtschaftsdichte am größten.</p>
<p>Um die Artenvielfalt zu retten, müssen wir die Naturschutzgebiete erweitern und sichern. Damit das eine Chance hat, müssten wir den weltweiten jährlichen Rohstoff- und Naturverbrauch halbieren. Um gefährliche Klimaänderungen zu vermeiden, müssten wir den Ausstoß der Treibhausgase halbieren.</p>
<p>Halbierung des Naturverbrauchs, – ist das angesichts der Dynamik in China und Indien zu schaffen? Könnten wir in den Industrieländern radikal den Gürtel enger schnallen, damit entsprechend mehr für die Entwicklungsländer übrig bleibt? Nein, ich das ist völlig unrealistisch, und es wäre auch in höchstem Grade explosiv, also friedensgefährdend. Denn die Mächtigen würden alles daran setzen, dass die ohnehin Schwachen die Zeche bezahlen, das die sich einschränken müssen, die nicht in Saus und Braus leben.</p>
<p>Ja, aber was dann, wenn wir doch weltweit den Wohlstand mindestens verdoppeln müssen, damit die Entwicklungsländer einigermaßen zu unserem Wohlstandsniveau aufschließen können.</p>
<p>Verdoppelung des Wohlstands bei halbiertem Naturverbrauch: das ist der Kern der heutigen Herausforderung. Unseren Enkeln schulden wir die Halbierung des Naturverbrauchs, dem Frieden und den im Elend lebenden Menschen die Verdoppelung des Wohlstands.</p>
<p>Beim Naturverbrauch müssen wir <em>differenzieren zwischen Energie, festen Rohstoffen, Wasser und Landverbrauch</em>.</p>
<p>Beginnen wir mit der <em>Energie</em>. Bei der Vermeidung von Treibhausgasen kommt man ziemlich weit mit erneuerbaren Energien, mit effizienteren Kraftwerken und mit dem Abfangen und Unschädlichmachen der Gase. Manche hoffen weiter auf die <em>Atomenergie</em>, aber <em>darüber</em> will ich jetzt nicht streiten, das würde endlos.</p>
<p>Stattdessen will ich behaupten, dass es noch eine Option gibt, die noch wirtschaftlicher ist oder gemacht werden kann als Wind, Sonne und das Abfangen der Gase. Es ist die <em>Effizienzoption</em>.</p>
<p>Es ist technisch möglich, Autos so zu bauen, dass sie weniger als zwei Liter pro hundert brauchen. Und mit Park and Ride und Fahrrädern und gut vertakteten Bussen und Bahnen kann man viele Milliarden Autokilometer sparen. Häuser kann man so bauen, dass sie fast keine Heizenergie mehr brauchen. Sparglühbirnen sind 4 mal effizienter als die alten Birnen, und mit Leuchtdioden gibt’s noch mal eine Effizienzverdopplung. Aluminium aus Schrott braucht nur ein Zehntel des Stroms, den man für Aluminium aus Bauxit braucht. Und e-mails brauchen nicht ein Hundertstel der Energie der klassischen Post! Die <em>ganze Wirtschaft</em> lässt sich <em>mindestens viermal so energieeffizient</em> machen als heute. Dieser Faktor vier erlaubt eine Verdoppelung des Wohlstandes bei halbiertem Naturverbrauch.</p>
<p>Eine Kilowattstunde einzusparen ohne Wohlstandsverlust kostet vielleicht fünf Eurocent, eine Kilowattstunde aus Wind kostet vielleicht zehn Cent, und die Atomenergie aus neuen Meilern ist auch nicht billiger. Die Kosten des Abfangens von CO2 aus Kohlekraftwerken dürften <em>deren</em> Kilowattstunden eher <em>noch</em> teurer machen. Die Effizienzstrategie ist vermutlich einfach die wirtschaftlichste.</p>
<p>Noch erfreulicher wird die Strategie, wenn man sich folgendes klarmacht: Wenn eine Firma ihr Technologie-Geld dafür einsetzt, Kilowattstunden arbeitslos zu machen statt Menschen, nützt das der Beschäftigung. Wenn Energie teurer und Arbeit billiger wird, machen das auf einmal viele Firmen. Das war die Grundüberlegung der ökologischen Steuerreform. Ich räume aber ein, dass die Politik das nicht immer überzeugend gemacht und dargestellt hat.</p>
<p>Was für Energie gilt, ist auch auf <em>feste Rohstoffe</em>, und Wasser übertragbar. Metalle, Glas und Baustoffe lassen sich vorzüglich rezyklieren. Bei Holz, Papier und Kunststoffen ist es schwieriger, aber machbar; und zur Not gibt es auch die legitime Verbrennung. Manchmal ist Recycling die plumpe Antwort und „<em>Remanufacturing</em>“ die intelligente. Ausrangierte Autos oder Kühlschränke muss man nicht shreddern. Man kann die großen Metallteile weitgehend wiederverwenden und nur Modernisierungsteile, Verschleißteile und modische Details neu einbauen.</p>
<p><em>Wasser</em> kann durch Reinigung <em>vielfach verwendet</em> werden. Tröpfchenbewässerung ist rund dreimal so wassereffizient wie die klassische Bewässerung. Geruchlose, hygienische Trockenklos könnten viele Millionen Kubikmeter Wasser sparen.</p>
<p>Bei der <em>Landnutzung</em> muss man auf Fallstricke achten. Die Flächenintensivierung der Landwirtschaft – also steigende Hektarerträge – wird von der Agrochemie und der Grünen Gentechnik den Naturschützern immer auf dem Tablett serviert als angebliche Lösung des Naturschutzproblems. In Wirklichkeit bedeutet <em>diese</em> Intensivierung Probleme mit der Artenvielfalt, mit den Böden, dem Grundwasser und dem Energiebedarf. Die ökologische Landwirtschaft ist in all diesen Hinsichten viel besser, aber sie braucht meist etwas mehr Platz.</p>
<p>Im Siedlungsraum hingegen geht es vor allem um die Flächenversiegelung, und hier ist die Verdichtung und Nutzungsintensivierung genau das richtige Rezept. Dichte, strahlenförmige Siedlungsformen machen Busse und Bahnen rentabel und schonen die Fläche. Siedlungsbrei dagegen kostet Fläche und macht uns alle autoabhängig.</p>
<p>Bei der Landnutzung brauchen wir auch keine Halbierung des heutigen Bedarfs. Es genügt, wenn die weitere Expansion gebremst oder gestoppt wird, in Deutschland ein durchaus erreichbares Ziel. Vielleicht kann man die Gewerbesteuer teilweise durch eine Versiegelungssteuer ablösen. Das könnte der Amerikanisierung der Stadtränder Einhalt gebieten.</p>
<p>Meine Damen und Herren, die ökologische Modernisierung der Wirtschaft und unserer Lebensstile ist <em>nicht ein Rezept zur wirtschaftlichen Stagnation</em>. So sieht es bloß ein großer Teil der Wirtschaftseliten und Politiker in Deutschland und den USA. In Skandinavien und in Japan ist es umgekehrt. Dort sieht man, dass die Ökologisierung ein herrlicher <em>Wachstumsmotor</em> ist. Da gibt es also heute noch große kulturelle Unterschiede.</p>
<p>Ich bin aber überzeugt davon, dass die ganze Welt auf Dauer, und vielleicht schon in wenigen Jahren, dem skandinavisch-japanischen Weg folgt. Letztes Jahr haben wir eine Art Schock mit Öl- und Rohstoffpreisen erlebt. Daraufhin hatten in den USA plötzlich die Benzinschluckerautos eine Absatzflaute. Gleichzeitig hatte der japanische <em>Toyota Prius</em>, ein Hybridauto, das nur noch halb so viel Benzin braucht wie die amerikanischen Schlitten, einen riesigen Absatzerfolg.</p>
<p>Und in China setzte nach dem Preisschock ein drastisches Umdenken in Richtung Ressourceneffizienz ein. In vier Wochen habe ich die Ehre, beim jährlichen Entwicklungsforum in Peking den Hauptvortrag zum Thema Faktor Vier zu halten; mein Buch ist schon vor fünf Jahren ins chinesische übersetzt worden. Jetzt habe ich die Hoffnung, dass deutsche Firmen demnächst aus China hören, Energie- und Rohstoffeffizienz sei das neue Qualitätsmerkmal. Da hören sie dann besser zu, als wenn sie es von deutschen Umweltschützern hören.</p>
<p>Ich komme zum Schluss. Ich klage nicht an. Ich rede nicht vom Verzocken. Ich setze auf technischen und zivilisatorischen Fortschritt. Die Erhöhung der Ressourcenproduktivität wird zur Grundmelodie des Fortschritts. Für Ingenieure und für uns alle eine phantastische Aufgabe. Laden Sie bitte diese Aufgabe nicht einfach bei der Wirtschaft und dem Staat ab. Die Wirtschaft richtet sich nach dem Markt, und die Politik nach den Stimmungen der Wähler.</p>
<p>Wir alle sind es, als Verbraucherinnen und Verbraucher und als Wählerinnen und Wähler, die die Richtung des Fortschritts mitbestimmen. Es ist in unserer Hand, eine neue Erwartungshaltung zu entwickeln und zu äußern. Die Medien müssen diese transportieren. Dann machen auf einmal alle mit.</p>
<p>Konrad Lorenz, der große Verhaltensforscher hat einmal beschrieben, wie Dohlenschwärme Entscheidungen treffen. Der Schwarm sitzt auf einem Felsen oder einem Baum. Einige Dohlen krächzen „kiaa“, andere „kiau“. Das eine heißt dableiben, das andere wegfliegen. Wenn der Wegflieg-Ruf überhand nimmt, dann fliegt auf einmal der <em>ganze</em> Dohlenschwarm weg.</p>
<p>Ich kann die Gedanken meiner Enkel lesen. Sie wollen, dass wir den Aufbruch organisieren. Ich hoffe, dass dieser Kirchentag dazu beiträgt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Plenarrede zum Gentechnikrecht</title>
		<link>https://ernst.weizsaecker.de/plenarrede-zum-gentechnikrecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ernst Ulrich von Weizsäcker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Jun 2004 21:27:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Gentechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Umweltbesorgnisse sind letzten Endes wohl der wichtigste Grund für die sehr große Zurückhaltung, die man der Grünen Gentechnik vielerorts entgegenbringt. Es ist eindeutig, dass große Unsicherheit besteht – und zwar nicht nur im einfachen Volk, sondern auch unter den Spitzenwissenschaftlern –, was eigentlich die langfristigen Auswirkungen sind.&#160;<a href="https://ernst.weizsaecker.de/plenarrede-zum-gentechnikrecht/">mehr…</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Auszug aus dem Plenarprotokoll 15/115, Deutscher Bundestag, Berlin, Freitag, den 18. Juni 2004<br />
TOP 22: 2./3. Beratung des Gesetzes zur Neuordnung des Gentechnikrechts</em></p>
<p><strong>Präsident Wolfgang Thierse:</strong></p>
<p>Ich erteile das Wort Kollegen Ernst Ulrich von Weizsäcker, SPD-Fraktion.</p>
<p>(Michael Müller [Düsseldorf] [SPD]: Der hat Max Weber gelesen!)</p>
<p><strong>Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD):</strong></p>
<p>Vielen Dank, Herr Präsident! Meine verehrten Damen und Herren! Der Kritik der Opposition an der außerordentlichen Eile muss ich mich anschließen;</p>
<p>(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>sie war auch für uns im Umweltausschuss außerordentlich belastend. Ich muss allerdings den Vorwurf zurückweisen, das habe mit irgendeiner Art von Geheimhaltung zu tun. Es war einfach der Ablauf der Ereignisse, vom Einspruch des Bundesrates über die Antwort der Bundesregierung usw.; ich brauche das jetzt nicht weiter auszuführen. Wir alle hätten über den Gesetzentwurf lieber in Ruhe beraten.</p>
<p>Lassen Sie mich aber zum Inhalt kommen; das ist das Wichtigste. Ich will ihn aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten, zum einen aus dem ökologischen und zum anderen aus dem wissenschaftspolitischen.</p>
<p>Umweltbesorgnisse sind letzten Endes wohl der wichtigste Grund für die sehr große Zurückhaltung, die man der Grünen Gentechnik vielerorts entgegenbringt. Frau Dr. Happach-Kasan, die Verunsicherung geht nicht von Rot-Grün aus, sondern von der Sache.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN – Zuruf von der CDU/CSU: Von Greenpeace!)</p>
<p>Es ist eindeutig, dass große Unsicherheit besteht – und zwar nicht nur im einfachen Volk, sondern auch unter den Spitzenwissenschaftlern –, was eigentlich die langfristigen Auswirkungen sind. Nun so zu tun, als gehe es um den Standort Deutschland, eine Durchbrechertechnologie, Schwellenüberwindung usw., ist, vorsichtig gesagt, mindestens gegen das Vorsorgeprinzip.</p>
<p>Weil die ökologischen Besorgnisse so weit verbreitet sind, behauptet nun umgekehrt die Befürworterseite immer wieder, die Grüne Gentechnik sei gut für die Umwelt.</p>
<p>(Wolfgang Zöller [CDU/CSU]: Stimmt ja!)</p>
<p>Dies habe ich versucht irgendwo in den verfügbaren Publikationen belegt zu finden und bin nicht fündig geworden. Selbstverständlich – das ist geradezu hineindefiniert – nimmt der Pestizideinsatz erst einmal ab, wenn man das Pestizid, zum Beispiel Bt-Toxin, in die Pflanzen hineinmanipuliert. Aber schon nach wenigen Wachstumsperioden sind wir wieder bei dem alten Pestizideinsatz angelangt.</p>
<p>(René Röspel [SPD]: So ist es!)</p>
<p>Das heißt, dieses Vorgehen hat überhaupt nicht geholfen. Dann kommt hinzu, dass sich der mit Abstand größte Teil der Grünen Gentechnik überhaupt nicht mit Bt-Toxin, sondern im Wesentlichen mit der Toleranz gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln beschäftigt, insbesondere das von Monsanto entwickelte Round-up. Da sieht man sofort, schon in der ersten Wachstumsperiode, eine Vermehrung des Herbizideinsatzes.</p>
<p>(Helmut Heiderich [CDU/CSU]: Das ist falsch!)</p>
<p>In Argentinien hat dies mittlerweile zu absolut desaströsen Auswirkungen geführt. Dort sind Tausende von Quadratkilometern, die tonnenweise mit Glyphosat vollgekippt worden sind, biologisch tot – und dies bis hin zu den Bodenorganismen, die normalerweise für die Humusbildung verantwortlich sind. Das heißt, es kommt zu wirklich schwersten ökologischen Zerstörungen – und dies nicht trotz, sondern wegen der Gentechnik. Das muss man doch einmal zur Kenntnis nehmen.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)</p>
<p>Weil nun die ökologischen Erfahrungen mit der Round-up-Toleranz negativ und die mit dem Bt-Toxin bestenfalls neutral sind – von den gesundheitlichen Aspekten, von denen Frau Höfken gesprochen hat, will ich einmal ganz absehen –, bringen die Gentechniker immer wieder Pflanzen in die Diskussion, die gegen Trockenheit, versalzte Böden oder gegen allerlei Schädlinge – sie kommen zum Beispiel mit dem Goldenen Reis oder mit irgendetwas anderem Schönen – gentechnisch robust gemacht werden. Dies ist Window Dressing. Man versucht, etwas an die Wand zu malen, was in der Praxis entweder gar nicht vorhanden ist oder keinen Nutzen bringt. Das ist die bisherige Erfahrung.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)</p>
<p>Ob diese versprochenen Wunderpflanzen – oder manchmal auch Wunderfische – ökologisch unbedenklich sind, steht völlig in den Sternen. Das Umweltgutachten 2004 des Sachverständigenrats für Umweltfragen widmet der Grünen Gentechnik ein ganzes Kapitel. Der Rat sagt, dass bezüglich der ökologischen Risiken riesige Ungewissheiten bestehen. In diesem Gutachten wird der ökologische Landbau als besonders schutzwürdig betrachtet. Es ist völlig klar, dass die von der Europäischen Kommission in die Diskussion gebrachte und in die Praxis eingeführte Formel von der Koexistenz keinerlei Garantie für das Überleben des ökologischen Landbaus bietet. Man sollte sich dieses Wort einmal auf der Zunge zergehen lassen. Schon das Wort „Koexistenz“ ist eine sprachliche Täuschung. Da muss man mit den gedanklichen Mitteln des Vorsorgeprinzips und der gesetzlichen Umgebung ausdrücklich dafür sorgen, dass wenigstens die Koexistenz Wirklichkeit wird.</p>
<p>Lassen Sie mich zum Schluss ein paar Worte zur wissenschaftspolitischen Diskussion sagen. Mich hat ein Brief des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, adressiert an Frau Däubler-Gmelin, sehr beunruhigt. Er sagt dort, dass die Forschung, die sich mit der Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen beschäftigt, nicht mehr stattfinden könne. Dazu fällt mir ein, was mir ein norwegischer Forscher sagte: 95 Prozent der Forscher, die zur Grünen Gentechnik arbeiten, stehen de facto auf der Payroll der Industrie. Das heißt, es ist gar kein Wunder, dass diejenigen, die im Wesentlichen die Kommerzialisierung im Sinn haben, Besorgnisse haben, wenn man ernsthaft über die ökologischen Auswirkungen forschen möchte.</p>
<p>(Widerspruch von der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>Es ist ganz richtig, dass manche dieser Fragen überhaupt erst noch erforscht werden müssen.</p>
<p>(Zuruf der Abg. Ulrike Flach [FDP])</p>
<p>Lassen Sie mich mit einer versöhnlichen Schlussbemerkung enden. Wenn man die Grüne Gentechnik dort einsetzt, wo sie wirklich eindeutig – also ähnlich wie die Rote Gentechnik – Nutzen stiftet, den man mit herkömmlicher Züchtung nicht erreichen kann – zum Beispiel bei Pflanzen, die sich als Diätgrundlage für Menschen mit bestimmten Stoffwechselkrankheiten eignen –, wird man von uns Umweltschützern und auch von dem vorliegenden Gesetz keinerlei Schwierigkeiten bekommen. Denn dabei handelt sich um Größenordnungen, die man ohne weiteres auch in geschlossenen Gewächshäusern züchten kann.</p>
<p>Vielen Dank.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)</p>
<p><strong>Präsident Wolfgang Thierse:</strong></p>
<p>Das Wort zu einer Kurzintervention erteile ich Kollegin Happach-Kasan.</p>
<p><strong>Dr. Christel Happach-Kasan (FDP):</strong></p>
<p>Professor von Weizsäcker, die Verunsicherung der Menschen vor zehn Jahren ging – da gebe ich Ihnen ausdrücklich Recht – von der Sache aus. Zu jener Zeit war der Öffentlichkeit, den Medien, aber auch den Politikern relativ wenig bekannt, dass Gene in jedem Lebensmittel vorhanden sind. Es war wenig darüber bekannt, was sich bei der Züchtung vollzieht. Es ist auch wenig über die zukünftigen Auswirkungen diskutiert worden. Meine Kritik ist, dass wir den Diskurs nicht offen, nicht ehrlich und nicht ohne das Schüren von Ängsten geführt haben. Dies muss sich meines Erachtens gerade Rot-Grün auf die Fahne schreiben lassen.</p>
<p>Ich finde es bedauerlich, dass Sie in Ihrem Debattenbeitrag die Forschung von Industrieunternehmen kritisiert haben. Wir wollen, dass angewandte Forschung nicht vom Staat, sondern von Industrieunternehmen bezahlt wird. Daher dürfen wir diese Forschung nicht als interessengeleitet und deswegen als nicht gut diskreditieren. Ich glaube, dass das eine falsche Vorgehensweise ist.</p>
<p>(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)</p>
<p>Wir wollen Grundlagenforschung in den Universitäten und wir wollen die angewandte Forschung von Industrieunternehmen und von mittelständischen Unternehmen, weil sie aus der Forschung einen Profit ziehen können. Wir wollen, dass Unternehmen Gewinn machen. Ich habe in Ihrem Beitrag die Auseinandersetzung mit Aussagen des Leiters des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung, Professor Saedler – er ist sicherlich nicht industriegeleitet –, vermisst, der auf dem Forum des Max-Planck-Instituts sehr deutlich gemacht hat, dass zum Beispiel 4 Millionen chinesische Baumwollanbauer mit der Gentechnik einen enormen Erfolg für die Umwelt erzielen.</p>
<p>(Beifall bei Abgeordneten der FDP)</p>
<p>Dabei handelt es sich nicht um das Ergebnis von industrieller Forschung, wie Sie immer behaupten. Wie gesagt, es ist ein Erfolg für die Umwelt und damit ein Erfolg für die Menschen, weil es keine Unfälle mit Pflanzenschutzmitteln gegeben hat. Es ist außerdem ein Beitrag zur Weiterentwicklung des Landes, weil die Anbauer einen größeren Gewinn erzielt haben, als dies mit anderen Verfahren möglich wäre. Genau das wollen wir diesen Ländern ermöglichen. Wir wollen aber nicht, dass das satte Europa solche Entwicklungen in der Dritten Welt verhindert.</p>
<p>Bitte berücksichtigen Sie in der Diskussion die Aussagen von Jacques Diouf, der im FAO-Bericht sehr deutlich gemacht hat, wie wichtig die Weiterentwicklung einer solchen Forschung für die Ernährungssituation in der Dritten Welt ist. Sie ist damit im Interesse der Menschen in diesen Ländern. Ich bitte, das zu berücksichtigen.</p>
<p>(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</p>
<p><strong>Präsident Wolfgang Thierse:</strong></p>
<p>Kollege von Weizsäcker, Sie haben Gelegenheit zur Reaktion.</p>
<p><strong>Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD):</strong></p>
<p>Frau Dr. Happach-Kasan, Sie geben mir Gelegenheit, festzustellen, dass ich die von der Industrie bezahlte Forschung weder für überflüssig noch für schlecht gehalten habe. Ich habe lediglich gesagt, dass zum Inhalt dieser Forschung nicht die Forschung hinsichtlich ökologischer Risiken gehört.</p>
<p>Hätte ich auf Herrn Professor Saedler antworten wollen, dann hätte ich die ziemlich negativen Ergebnisse in Karnataka in Indien mit den praktisch gleichen Sorten erwähnt.</p>
<p>Wenn ich auf den FAO-Bericht eingegangen wäre, dann hätte ich Stimmen aus den Entwicklungsländern zitiert, die ausdrücklich die Besorgnis äußern, dass die Grüne Gentechnik eine Privatisierung des Saatgutes und damit eine Schlechterstellung der wirklich Hungernden und der einfachen Landbevölkerung zur Folge haben könnte.</p>
<p>Vielen Dank.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)</p>
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